Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 sein eigenes Interesse in den Vordergrund stellt gegen das gesamte jüdische Interesse, ist ein Erfolg unmöglich. Nur wer das allgemeine Vertrauen besitzt, kann als endgiltiger Kandidat hervorgehen. Die Parole aber muss sein: Einigkeit und nochmals Einigkeit! Unter diesem Zeichen werden wir siegen. (Lebhafter Beifall.) Dr. AI. Mintz übernimmt den Vorsitz und erteilt das Wort dem Kandidaten für das Kaiviertel kais. Rat Wilhelm Anninger, welcher, lebhaft begrüsst, folgendes ausführt: „Nicht zum erstenmale spreche ich von dieser Stelle zu den Mitgliedern der „Union" und dennoch trete ich mit einiger Befangenheit vor Sie. Der Grund liegt darin, dass ich heute meine eigene Sache zu vertreten habe, und so gerne ich mich stets den Interessen meiner jüdischen Brüder gewidmet habe, so schwer fällt es mir, für mich selbst zu plaidieren. Wenn ich beute trotzdem als Kandidat vor Sie hintrete, dann mag es mir zur Entschuldigung dienen, dass der Gedanke dieser Kandidatur nicht von mir ausgegangen ist, sondern dass ich mich erst nach langer Ueberlegung entschlossen habe, dem Andrängen zahlreicher Freunde sowohl aus meinem Berufskreise, wie aus der Mitte der „Union" Folge zu geben und mich um die hohe Ehre eines Mandates für das Kaiviertel zu bewerben. Der Herr Referent hat in seinen Ausführungen die Postulate genannt, die die „Union" für einen jüdischen Kandidaten in diesem Bezirke aufstellt, und er hat von einem solchen verlangt, dass er in erster Linie# ein warmes Herz für das Judentum besitze. Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, in diesem Kreise von meinem jüdischen Empfinden, von meiner Wirksamkeit für die jüdischen Interessen zu sprechen. Ich darf es als bekannt voraussetzen und eine grosse Anzahl unter Ihnen wird mir das Zeugnis nicht versagen, dass ich für die Ehre und die Rechte der österreichischen Juden als Präsident und Vorstandsmitglied der „Union" jederzeit mit aller Entschiedenheit eingetreten bin und noch eintrete. (Beifall.) Diese Tätigkeit trägt keine Ehren, sie ist nur Anfeindungen und Schmähungen ausgesetzt. Sollte sich mir Ihr Vertrauen zuwenden, sollten Sie mich für eine andere Tätigkeit würdig finden, so werde ich mit gleichem Eifer und mit unerschrockenem Mute meine Pflicht erfüllen und werde mich stets glücklich schätzen, für meine jüdischen Brüder wirken zu können mit aller mir zu Gebote stehenden Kraft. (Lebhafter Beifall.) Das zweite Postulat geht dahin, dass für diesen kaufmännischen Wahlbezirk ein Kaufmann aufgestellt werden müsse. Ich glaube, meine Herren, Sie werden anerkennen, dass ich auch dieser Forderung entspreche. Ich bin seit so vielen Jahren mit den Wählern dieses Kreises in so innigem Kontakt, dass ich ihren Wünschen wohl Rechnung tragen kann, und ich werde jederzeit alles tun, was in meiner Macht liegt, um ihre so berechtigten Forderungen durchzusetzen. Ich weiss sehr wohl, welche Lasten auf der Kaufmannschaft ruhen, wie wenig sie von der Regierung gewürdigt wird und ich habe immer für das Ansehen des kaufmännischen Standes gekämpft. Es ist nicht meine Art, grosse Versprechungen zu machen, aber dass ich mit Leib und Seele Kaufmann bin und, stolz auf diesen angesehenen Beruf, auch für die Interessen der Kaufmannschaft mit aller Kraft wirksam sein werde, wenn mir die Eure Ihrer Wahl zuteil wird, das werden Sie mir wohl ohneweiters glauben. (Lebhafte Zustimmung.) Ich halte die Zeh noch nicht für gekommen, in Detailfragen einzugehen und heute schon besondere, den Kaufmanustand berührende Fragen näher zu erörtern. Ich will Ihnen nur heute im Allgemeinen die Versicherung geben, dass ich mich mit Ernst und Eifer und Liebe allen das Wohl meines Standes betreffenden Fragen im Parlament widmen würde. (Lebhafter Beifall.) Allein ich muss, den Herrn Referenten ergänzend, noch ein drittes Postulat aufstellen. Es ist auch ei forderlich, dass die Vertreter der Wiener jüdischen Wählerschaft im Reichsrate tadellosen Charakters und durchaus integer sind. (Lebhafter Beifall.) Auch nicht der Schatten des Vorwurfes