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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-03-01 · 3 (3.1907) · p. Seite 2

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
3 (3.1907)
Date
1907-03-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Bürgervereine ein klares, politisches Bekenntnis verlangten. Da Herr Denk ein solches nicht ablegen konnte oder wollte, trat er zurück und der verlässliche Dr. Vogler wurde an die Spitze des Zentral-Wahlkomitees berufen. * * * Mittlerweile ist allerdings schon manches Unheil angerichtet worden. Im Kai-Viertel, wo die jüdische Kaufmannschaft die entschiedene Majorität besitzt, hat man den antisemitelnden Kommerzialrat Vetter als Kandidaten präsentiert und in der Leopoldstadt ist eine heillose Zerfahrenheit eingetreten. Das Kai-Viertel wird sich wohl des geplanten Attentates erwehren und stramm an Herrn A n n i n g e r festhalten, der von dem rückhaltlosen Vertrauen der Kaufmannschaft getragen und auch der richtige Mann ist, um Angriffen auf die staatsbürgerlichen Rechte der Juden mit aller Energie entgegenzutreten. In der Leopoldstadt ist die Situation eine geradezu trostlose. Um die Stimmen der jüdischen Wähler werben vier Kandidaten : Die Herren Dr. Bloch, K1 e b i n d e r, Dr. 0 f n e r und Dr. S c h a 1 i t. Wenn hinr keine Einigung zustande kommt, gelangen mit absoluter Sicherheit die zwei nichtjüdischen Bewerber, das ist der Sozialdemokrat E m e r 1 i n g und der Christlich-Soziale Preyer in die Stichwahl. Diese Sachlage hat den Vorstand der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" veranlasst, eine Konferenz von Delegierten der oben genannten vier jüdischen Kandidaten einzuberufen und so den Versuch zu einer Verständigung zu unternehmen. Die erste Sitzung dieser Konferenz ist resultatlos verlaufen, es wurde aber beschlossen, die Verhandlungen nicht abzubrechen, sondern zu einem, gelegenen Zeitpunkte dieselben wieder aufzunehmen. Wir können an die jüdische Wählerschaft des ersten Wahlkreises der Leopoldstadt nur den dringenden Appell richten, uns in unseren Bemühungen zur Herbeiführung einer Einigung zu unterstützen. Es ist heute durchaus nicht gleichgültig, ob das Mandat eines Wahlbezirkes, der über eine jüdische Majorität verfügt, von einem Juden oder einem Christen ausgeübt wird. Nicht wir sind es, die da den konfessionellen Standpunkt einnehmen, sondern diejenigen, die trotz der schönsten programmatischen Phrasen von Gleichberechtigung die Judenschaft Oesterreichs von j eder parlamentarischen Vertretung ausschliessen wollen. Es ist charakteristisch, dass in ganz Oesterreich — von Galizien abgesehen — in keinem einzigen der 446 Wahlbezirke ein jüdischer Kandidat zugelassen wurde und dass auch in Galizien von den sieben Mandaten, die ursprünglich der Polenklub den Juden zugestanden hat, ihnen vier genommen werden sollen. Die Gesinnung der Polen den Juden gegenüber verrät sich in der Tatsache, dass den letzteren ein Vertreter im Exekutivkomitee des Nationalrates verweigert wurde, so dass selbst die allzeit getreuen Herren Horowitz, Löwenstein und

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