Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschrift der Oderreichisch-Israelitischen Union. Nr. 3. Wien, Mitte täärz 1907. 19. Jahrgang Die Koalition gegen die Juden. Herr August Denk, k. k. Kommerzialrat und Präsident des Niederösterreichischen Gewerbevereines, hatte einen feinen Plan. Die neue Wahlkreiseinteilung konnte Wien noch nicht vollständig christlichsozial machen. Man musste in der Inneren Stadt, in der Leopoldstadt und am Aisergrund noch immer einige Bezirke derart abgrenzen, dass dieselben mit Hilfe der daselbst wohnhaften Juden eine fortschrittliche Mehrheit repräsentieren. Da wollte Herr Denk „verbessernd" eingreifen. Die Juden? Pah, wer kümmert sich noch um diese! Es ist überhaupt die höchste Zeit, dass die Juden ihren Frieden mit Dr. Lueger machen und den faktischen Zustand der christlichsozialen Herrschaft in Wien anerkennen. Schliesslich hat ja der Antisemitismus den reichen Juden in Wien nie wehe getan, und die armen mögen zusehen, wie sie sich weiter durch die Welt bringen. Herr August Denk träumte von einer christlichsozial-liberalen Allianz. Das allgemeine Wahlrecht hat mit der Interessenvertretung aufgeräumt. Man begreift es und es ist auch durchaus berechtigt, dass die industriellen Verbände darnach trachten, auch auf Grund des neuen Wahlrechtes im Parlamente so zahlreich als möglich vertreten zu sein. Aber man muss verlangen, dass die industriellen Wahlwerber auch politisch Farbe bekennen und nicht mit verwaschenen wirtschaftlichen Phrasen die Bevölkerung täuschen. Es gibt ehrlich freisinnige und ehrlich klerikale Industrielle. Niemand hätte dagegen etwas einzuwenden gehabt, wenn freisinnige Industrielle in den fortschrittlichen, klerikale oder antisemitische Industrielle in den christlichsozialen Wahlbezirken aufgetreten wären. So aber war die Sache nicht gedacht. Unter dem Schlagworte rein wirtschaftlicher Interessen sollten dem freisinnigen Bürgertum noch die wenigen Wahlbezirke, die ihm geblieben waren, von Haib¬ und Ganz-Antisemiten weggekappert werden. Dazu hat Herr Denk ein „Zentral-Wahlkomitee" aus einer Anzahl wirtschaftlicher Korporationen bilden wollen, dazu ist wochenlang gezischelt und getuschelt, agitiert und konspiriert worden, bis endlich die Vertreter des gesinnungstreuen, kaufmännischen Vereines tapfer in das Wespennest griffen, bis auch die fortschrittlichen l