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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-02-01 · 2 (2.1907) · p. Seite 17

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
2 (2.1907)
Date
1907-02-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 einziger, unsichtbarer Gott den Sternenhimmel geschaffen, die Erde und alles, was auf ihr spriesst, ins Dasein gerufen und der sie bewohnenden Menschenbevölkerung die Seele und den sich auf ihr bewegenden Geschöpfen den Lebensgeist gegeben4), schon an und für sich, zur Hoffnung auf eine erhabene Zukunft der Nachkommen, in einer Zeit, wo der theo-philanthropische Gedanke in voller Wahrheit und Klarheit zum Durchbruche gelangt und siegt. Und erst, wenn man bedenkt, was die von den Ahnen in den glückverheissenden, entscheidenden Epochen der Urzeit, aus Dankbarkeit gegen Gott, zum Schutze des heiligsten Gutes, auf sich genommenen Verpflichtungen für die späteren Geschlechter für bittere Folgen gehabt! Die über die Bewertung der Lebensgüter, ja des Lebens selbst hinausgehende Hochhaltung des Gottesbegriffes hat wohl den Stamm auch nach dem Verluste aller politischen Macht erhalten, dass er ohne diese Eigenheit schon längst untergegangen wäre, ist sicher, aber welche Fülle von Entsagungen, Demütigungen und Quälereien hat das zähe Festhalten des religiösen Ideales nach sich gezogen und wie viele grosse, entsetzlich schreckliche Opfer, wie viele Millionen Märtyrer hat es uns im Laufe der Zeiten gekostet! Da ist der Glaube, dass unser Volk die in der Zukunft sicher liegende Zeit der Erleuchtung und des Gottesfriedens auf Erden, zu denen die religi 'se, kulturelle und sittliche Entwickelung, wenn auch nach sehr vielen und anhaltenden Irrungen und Hemmnissen, schliesslich das Menschengeschlecht führen muss, denn doch erlebt, umsomehr begründet. Die Macht dieser Idee des Judentums, die Auffassung, dass wir wegen einer seit der Urzeit gehegten Wahrheit, der die Zukunft gehört, dulden, ist wahrlich nicht geeignet, uns seelisch niederzudrücken, kann unmöglich auf unseren Anlagen schwer lasten, sondert uns gewiss nicht aus der leidenden, strebenden, schaffenden Menschheit, hat vielmehr die Eigenschaft, ihr unser Wohlwollen zuzuwenden, sie ist ihrer ganzen Natur darnach, dass sie nur zum Freunde, nicht aber zum Feinde irgend eines anderen neutralen Menschen machen könnte und kann uns für nichts, was die Bezeichnung Kultur verdient, zu einer Gefahr machen. Die fixen Ideen, in welchen Herr Chamberlain das jüdische Volk hoffnungslos erstarrt wissen will, sind allerdings vorhanden, aber ganz in unmittelbarer Nähe der zu babylonisch-schwindligen Höhen emporhebenden eigenen Einbildung des Mannes selbst. Es gibt eben auch sehr talentierte Leute, denen der sittliche Ernst, der nötig ist, um Witz und Wahrheit, zumal wo es eigene Einfälle gilt, von einander zu unterscheiden, ganz abgeht, solchen ist, je nach Bedarf, die Wissenschaft Komödie und die Komödie Wissenschaft. Die Hochbegabten von dieser Sorte sind zu allen Zeiten und an allen Orten, wo der Judenhass 4) Nach Jesaia 42, 5. 2

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