Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 2 (2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Eigenart geschah nicht nur für Stamm und Volk, sondern im Interesse der Menschheit überhaupt. „Israel musste (wie der selige Professor Lazarus in einem Vortrage dargelegt) partikularistiseh sein, weil es allein universalistisch war, weil der universalistische Gedanke der gesamten Menschheit hier zum ersten Male zur Anschauung gelangte und weil dieser Gedanke beschützt sein musste, durch die ganze Denk- und Lebensweise dieses- Volkes". Wir müssen wohl einschränkend anfügen „der Gottesgemeinde dieses Volkes, als welche sich, wenn auch nur vorübergehend, seine Gesamtheit, doch zu allen Zeiten ein Teil desselben, und zwar mit gutem Grunde gefühlt; in der Hauptsache geben ihm indes die biblischen und nachbiblischen religiösen Urkunden vollkommen recht. Es sind ja feststehende Grundsätze, dass Gott Israel die Lehre zum Heile aller Völker gegeben (Tanchuma zu Deuteronomium) und dass die Edelgesinnten eines jeden Volkes der Seligkeit teilhaftig werden (Sanhedrin 105) und wo von der Auserwählung Israels die Rede ist, wird regelmässig die Bedeutung der anderen Völker betont. Von ihnen heisst es in der Schrift, dass sie Gott erschaffen zum Lobe, zum Ruhme und zur Herrlichkeit und dass der Höchste auch ihnen seine Liebe zuwendet (V. M. 26, 19, 33, 3). Es sei hier auch erinnert an das Propheten wort: „Gesegnet sei mein Volk Mizrajim und meiner Hände Werk Assur und mein Erbteil Israel" (Tesaia Kap 19, 25) und an die Worte des Propheten Arnos, welche lauten: „Wahrlich wie die Söhne der Aethiopier seid ihr mir Kinder Israels, spricht der Ewige." „Ich habe ja Israel aus Egypten, die Philister aus Kaftor und Aram aus Kir heraufgeführt" (Arnos 9. 7.). Gewiss ist, ■dass sich unser Stamm als Träger des moralisch und kulturell fruchtbaren, tief und einheitlich gefassten Gottesgedankens um die Menschheit grosse Verdienste erworben hat. „Es ist unsäglich," sagt Herder, „was für Schätze der Erkenntnis und Moralität des Menschengeschlechtes am Begriff der Einheit Gottes zu hangen bestimmt waren. Er wandte vom Aberglauben, mithin auch von Abgötterei, Lastern und Scheusalen privilegierter göttlicher Unordnung weg, er gewöhnte daran, überall Einheit des Zweckes der Dinge, mithin allmälig Naturgesetze der Weisheit, Liebe und Güte zu bemerken, also auch in jedes Mannigfaltige Einheit, in die Unordnung Ordnung, ins Dunkle Licht zu bringen. Indem die Welt durch den Begriff eines Schöpfers zu einer Welt ward, machte sie auch der Abglanz derselben, das Gemüt der Menschen dazu und lernte Weisheit, Ordnung und Schönheit. Welche Lehre und Poesie der Erde hiezu beigetragen hat, hat die nützlichsten Dinge bewirkt. Die Ebräische hat es vorzüglich." (Herder: Vom Geist der Ebräischen Poesie.) In Anbetracht all dessen berechtigt die in unserem Stamme seit vier Jahrtausenden durch Denk- und Lebensweise bekundete Hingebung an die umfassende Idee, dass ein im strengsten Sinne