Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 2 (2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Ein Protest gegen Verunglimpfungen unseres Stammes und Glaubens. Abgefasst von Leopold Mandl. I. Es wird ein Brillantfeuerwerk veranstaltet: Blitze zucken, feurige Drachen fliegen auf, helle Meteore überraschen das Auge; unter Prasseln, Rollen und Zischen öffnet sich der Himmel und noch nie gesehene Sonnen strahlen in den seltsamsten Farben, umgeben von Sternen, gross und klein: die Welt erscheint in einem ganz neuen Lichte. Wie schade, dass die ganze unter Ach und Krach entfaltete Herrlichkeit sich so rasch in blauen Dunst auflöst und nur einen widerlichen Geruch von Schwefel und Pech zurücklässt! So beiläufig verhält es sich auch mit den literarischen Brillantfeuerwerken des Herrn Houston Stewart Chamberlain, welche er die „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" benannt; sein Schwefel hat nur noch überdies den Nachteil, dass er durch intensiven anhaltenden Uebelgeruch den Kunstgenuss gar zu sehr verleidet. Der Styl des Werkes ist stellenweise geradezu bezaubernd, doch weit mehr als dieser haben ihm die vielen darin geäusserten Nichtswürdigkeiten, die aller Pietät hohnsprechenden Verunglimpfungen historischer Gestalten, die Beschimpfungen und Verdächtigungen ihm missliebiger Autoritäten der Wissenschaft und die originelle Keckheit, mittelst welcher der. Verfasser Juden und Judentum verächtlich zu machen sucht, eine vielseitige Beachtung eingetragen. Einer frivolen Schriftstellerei wird ja heutzutage, wo es so viele gibt, die an verletzenden Böswilligkeiten Gefallen finden, durch den Widerspruch der Beleidigten oder ihrer Annehmer der Erfolg umsomehr gesichert, und erst wenn es um Herabsetzung des israelitischen Stammes und seiner Religion zu tun ist, sind die konfusesten Dinge am meisten dem Zwecke entsprechend. So sehr es uns widerstrebt, solche einer ernsten Behandlung zu würdigen, können wir nicht umhin, folgenden Satz einer nüchternen Beurteilung zu unterziehen: Die Stelle lautet: „Die Macht der Idee des Judentums (gemeint ist die Idee des Leidens wegen einer grossen Vergangenheit und ob einer erhabenen Zukunft), die Macht der Idee, während sie dieses Volk derart in seiner eigenen Einbildung zu babylonisch-schwindligen Höhen emporhebt, drückt sie es in Wirklichkeit seelisch so tief herab, lastet so schwer auf seinen besten Anlagen, sondert es so gänzlich aus der leidenden, strebenden, schaffenden Menschheit, erstarrt es so hoffnungslos in den unseligsten, fixen Ideen, macht es so offenbar in allen seinen Gestaltungen (von der äussersten Rechtgläubigkeit bis zum ausgesprochenen Freisinn) zu einem offenen oder versteckten Feind jedes anderen Menschen, zu einer Gefahr für jede Kultur, dass es zu allen Zeiten und an allen