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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-02-01 · 2 (2.1907) · p. Seite 12

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
2 (2.1907)
Date
1907-02-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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VA Und zehnfach schuldig wäre, wenn das Gerücht wahr sein würde, der Justizminister, der Hetzern zu Gefallen die vom Gerichte abgetane Sache wieder aufrollen liess. Man verlangt zur Wiederaufnahme neue Tatsachen! Aber § 362 St. P. 0. verlangt sie nicht. Die Unterlage, um ihn anzuwenden, ist schon die Sehprobe mit dem Kronzeugen Pesak. Die Glaubwürdigkeit der Angabe Pesaks, dass er Hilsner erkannt habe, war vom Staatsanwalt in Pisek selbst als entscheidend bezeichnet worden. Auch der Kassationshof in seinem zweiten Urteil nimmt zum Ausgangspunkt, dass die Sehprobe mit ihm geglückt sei. Das ist ein böser Irrtum! Mit Hilsner konnten von den Versuchspersonen doch nur jene beiden Bürger Dvorak und Gastner verglichen werden, die dem Pesak bekannt, aber nicht unmittelbar vor der Probe genannt worden waren, weil dies auch bei Hilsner nicht der Fall war. Pesak musste zugeben, dass er keine Ahnung hatte, wer sie waren, obwohl der eine weit schwächer war als der andere und obwohl er hinkte. Er hat auch bei den anderen nicht gesehen, welche Kopfbedeckung sie hatten, nicht den Unterschied der Grösse, nicht das Herabnehmen der Mütze, oder wer den dunkeln Stock hält. Und doch hatte er von Hilsner erklärt, dass er ihn nach der Gestalt und den Körperbewegungen, und von seinen Begleitern, dass er sie als dicker und älter wie Hilsner, mit Hüten auf dem Kopfe erkannt habe und sie wieder erkennen würde. Das letztere ist durch die Sehprobe doch als augenscheinliche Unwahrheit erwiesen. Dazu kommt die Nichtbeachtung der Aussage der Vomela. Der Mann, den sie sah, hatte grauen Anzug und einen weissen Tannenstock. Hatte er nicht jene charakteristischen Bewegungen gemacht? Wenn auch in Polna niemand gewesen wäre, der solche ausser Hilsner machte — der Mann war nicht von Polna. Wenn Pesak ihn sah, ebenso wie die Vomela? Man vergleiche die Probe, die mit Pesak angestellt wurde, die wenigen Merkmale, die er erkannte und aus denen er auf Hilsner schloss, und man wird die Verwechslung mit einem unbekannten und für den Fernstehenden ähnlichen Mann als leicht möglich zugeben müssen. Abgesehen von den unauffindbaren Begleitern. Abgesehen von den Aussagen anderer über Hilsner und seine Begleiter, die noch viel klarer waren und dennoch als falsch bewiesen wurden. Abgesehen von den Spuren, die das einzige Positive im Tatbestand sind, von denen keine auf Hilsner weist und über die man seltsamer, höchst seltsamer Weise hinwegging. Blutspuren! Spuren der Kleidung und der Richtung, die einzige beglaubigte Tatsache von dem fremden Mann genügt!

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