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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-02-01 · 2 (2.1907) · p. Seite 9

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
2 (2.1907)
Date
1907-02-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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y sie zu ihrem Zweck auch trunken machten, wie zum Beispiel den Moritz Hilsner, und ihre Protokolle dem von Gemeindewegen aufgenommenen und bezahlten Vertreter der Hruza auslieferten. Schuldig sind die Gerichtsärzte, die in einer unverantwortlichen Mischung von Unkenntnis, Sorglosigkeit und Tendenz ein Gutachten verfassten, das den Ritualmord glaublich machen musste und das in allen wesentlichen Punkten von der medizinischen Fakultät als unklar, ungenau und falsch erklärt wurde. Schuldig sind die Staatsanwälte, die nicht den Verstand hatten, um die Lüge des Ritualmordes zu erkennen, oder nicht den Charakter, um sich dem Hetzruf entgegenzustellen, und die auf Grund offenbarer Lügen und UnWahrscheinlichkeiten, ohne ♦ ine einzige Aussage, die Hilsner wirklich der Tat verdächtig machte, eine Anklage erhoben. Sie wären nicht viel weniger schuldig, wenn wirklich, wie behauptet wird, ein Wink von oben gegeben worden wäre, wenn dann auch selbstverständlich der Mann, von dem der Wink ansging, der Schuldigste von allen war. Alle Zeugen, die Hilsner beschuldigten, hatten Begleiter gesehen. Aber alle Namen, die sie nannten, erwiesen sich als falsch. Die Nachforschungen ergaben keinen Menschen, der sein Begleiter hätte sein können. Die Gefährten Hilsners, die mit ihm bis Va4 Uhr nachmittags waren, hatte er allein verlassen und hatte sie aufgefordert, ihn zu begleiten. Polna ist ein kleiner Ort, in dem Fremde auffallen mussten. Wo kamen die Begleiter her, wo kamen sie hin? Wie konnte man sich über diese Frage hinwegsetzen? Der einzige Umstand müsste genügen, um Staatsanwalt und Gericht den tendenziösen und phantastischen Charakter der Zeugenaussagen darzulegen. Und dennoch blieb Pesak, der Mann, der 700 Meter weit den Hilsner an „charakterisehen Bewegungen" erkannt haben wollte, der Begleiter sah, welche von nirgends hergekommen waren und nach nirgends hin verschwanden, der Kronzeuge für den Staatsanwalt! selbst noch, nachdem andere die Begleiter erkannt haben wollten und alles, was sie sagten, als Lüge aufgedeckt worden war. Wir wollen gar nicht darauf eingehen, dass auch Pesak von der Tat nichts wahrgenommen hatte. Schuldig sind die Staatsanwälte, die zweierlei Mass an die Zeugen anlegten, die Entlastungszeugen anklagten, bei den Belastungszeugen aber die offenbarsten Lügen ohne Anstand und Eüge gestatteten. So hatte Cink behauptet, eine Frauensperson (die Vomela) gesehen zu haben, die wegen des beginnenden Regens den Rock über den Kopf gezogen hatte. Die Vomela erklärte darauf, sie habe den ganzen Weg über den Rock niemals über den Kopf geschlagen, es habe auch nicht geregnet, sondern sei schönes

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