Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 2 (2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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b Toleranz der Behörden in grossen Massen verbreitet und niemand,, der Einfluss auf das Volk hatte, war entgegengetreten! Sollte der einfache ungelehrte Mann nicht glauben, was Journalisten, Priester, Richter, Bezirkshauptleute und Bürgermeister absichtlich oder gedankenlos nachsprachen, verbreiteten und verbreiten Hessen? Nein, die Geschwornen sind die letzten, die zu verurteilen sind. Schuldig sind die Organe der Verwaltung und der Justiz, welche unmittelbar und mittelbar, aus Absicht oder Schwäche, durch Tat- und Talentlosigkeit das Verdikt vorbereiteten, einleiteten und erwirkten. Keines von den Organen, die an dem Prozess mitwirkten — wenn wir den Adjunkten Baudysch ausnehmen, — das nicht schuldig war. Schuldig sind alle, welche die lügenhaften, boshaften und aufreizenden Berichte tolerierten. Schuldig ist der Richter und seine Helfer, welche den Tatbestand im Falle Hruza so sorglos und unvollständig aufnahmen, dass alle späteren Versuche, ihn klarzustellen, versagten und welche die vielen vorhandenen Spuren trotz ihrer augenscheinlichen Wichtigkeit nicht nachhaltig verfolgten. Wir erinnern an die von starker Hand und mit scharfem Werkzeug frisch abgeschnittenen Fichtenbäumchen auf der Leiche, an die kalkbeflekte Schürze, an den blutigen, fast durchgeschnittenen Strick, an die Strähnen von Leinwandfäden, an den abgeschälten Tannenstock, der auf dem Wege na h Klein-Wieznitz wiederum mit staiker Hand, mit scharfem Werkzeug von einem Baum abgeschnitten war, auf dem ein Mann längere Zeit gesessen wa ■, an die Blutspuren auf dem Wege nach Klein-Wieznitz, an den fremden Mann mit den» stechenden Blick, mit dem grauen Anzug und dem starken, weissen Tannenstock, den kurz vor der Tat die Vomela und vorher schon mehrere andere Personen (Pfarrer Vlcek, Nepras, Frau Jupert) gesehen hatten. Ihn konnte auch Pesak gesehen und mit Hilsner verwechselt haben, weil Pesak ihn nicht kannte und er mit den Stock die gleichen Bewegungen gemacht haben konnte, die Pesak als für charakteristisch für Hilsner bezeichnete. Wir erinnern auch an das zweitägige Stillschweigen der nächsten Anverwandten der Hruza, an ihre Verwundungen und Flecke, an das plötzliche Begehren des Bruders nach Beichte und anderen. Alle Nachforschungen, auch nach dem von der Vomela und anderen gesehenen trenaden Mann, wurden nach kurzem Beginn eingestellt, weil es leichte]-, bequemer, weil es der entzündeten Leidenschaft des Volkes und dem eigenen Aberglauben genehmer, dem Zweck, einen Verurteilten zu finden,, dienlicher war, den Ritualmord zur Grundlage der Verfolgung zu machen. Schuldig ist der Richter, der unter seinen Augen eine Nebenuntersuchung des Bürgermeisters Sadil und seiner Genossen (darunter des (Jendameriepostenführers) duldete, welche in ausgesprochen parteilicher Absicht Zeugen suchten und verhörten,.