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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-02-01 · 2 (2.1907) · p. Seite 5

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
2 (2.1907)
Date
1907-02-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 mente wenigstens ein einziger Abgeordneter sitze, welcher mit den Fachkenntnissen und dem historischen Wissen auch ein hinreichendes Talent und den energischen Willen verbindet, Angriffe auf das Judentum, auf unsere Religion, auf unser Schrifttum, auf unseren Namen und unsere Ehre überzeugend zurückzuweisen. Die Zionisten haben für den I. Wahlkreis der Leopoldstadt den Obmann der zionistischen Landesorganisation, Dr. Isidor S c h a 1 i t, als Kandidaten aufgestellt. — Ausserdem kandidieren noch für denselben Wahlkreis der Sozialpolitiker Dr. Julius 0 f n e r, der Altliberale Ferdinand K1 e b i n d e r und der Sozialdemokrat E m e riing. Der christlich-soziale Kandidat ist noch nicht nominiert. Zur Revision des Hilsner^Frozesses. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 28. Jänner d. J. haben die Abgeordneten Dr. Ofner und Genossen folgende Interpellation an den Justizminister eingebracht: „Nach Berichten der Zeitungen ist Leopold Hilsner, der von Pankratz nach Stein geschafft worden war, um der Verfolgung von Mithäftlingen zu entgehen, derzeit aus gleicher Ursache wieder von Stein nach Pankratz zurückgeschafft worden. Der Hass, der ihn unschuldig in den Kerker gebracht hat, verlässt ihn auch dort nicht. Mörder und Diebe spielen sich als Antisemiten auf und glauben an ihm ihr Mütchen kühlen zu dürfen. Der Herr Justizminister kennt zweifellos die Akten, die Dr. Nussbaum lichtvoll zusammengestellt hat. Er weiss, dass die Ritualmordlüge die einzige Ursache auch der zweiten Verurteilung Hilsners war; dass die Aussagen der Belastungszeugen unter dem prüfenden Blick des Psychologen ebenso zerstieben, wie von dem Gutachten der Doktoren Prokesch und Michalek kein Satz vor der Prager medizinischen Fakultät die Probe bestand. Wann wird der Leiter der Justiz endlich dem fortdauernden Justiz verbrechen, das an Hilsner verübt wird, ein Ende machen? Wann wird er zunächst seine Begnadigung erwirken, um seine persönliche Qual zu endigen, dann aber die Wiederaufnahme des Prozesses nach § 362 St. P. 0. veranlassen, weil sich „erhebliche Bedenken gegen die Richtigkeit der dem Urteil zu Grunde gelegten Tatsachen ergeben"? Der Staatsanwalt in Kuttenberg hat den Prozess Hilsner mit unfreiwilliger Selbstironie als den österreichischen Dreyfussprozess bezeichnet. Das ist er auch durch seine Ursache und durch die Art, wie man verfuhr. Vielleicht steht er dem durch Voltaire berühmt gewordenen Calasprozesse noch näher, obwohl Calas nicht Jude sondern Protestant war. Denn bei Dreyfuss spielten politische Zwecke mit; der Generalstab wollte den lästigen Eindringling aus dem Wege schallen. Calas aber und Hilsner waren reine

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