Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 2 (2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das ist der Mann, auf welchen in dem Augenblicke, wo sich den jüdischen Bewohnern der Inneren Stadt die Möglichkeit bietet, nicht nur einen Mann ihres Vertrauens und ihrer politischen Gesinnung, sondern auch ihres Glaubens ins Parlament zu entsenden, sich die Blicke aller richten, die eine ernste, würdige und zugleich energische Vertretung der jüdischen Interessen im Reichsrate wünschen. Es fehlt selbstverständlich nicht an Gegenströmungen. Die Wahlbewegung hat auch noch andere Namen an die Oberfläche gebracht, aber wir dürfen kühn behaupten: keinen besseren, als es der Name Wilhelm Anninger ist, und keinen, auf den sich eine grössere Stimmenanzahl vereinigen könnte. Und auch das ist ein entscheidendes Moment! Es wäre tief zu beklagen, wenn die Wiener Judenschaft in dem schwierigen Kampfe, den sie gegen die mächtige christlichsoziale Partei zu bestehen hat, ihre Kräfte zersplittern würde. Nur durch volle Einigkeit, durch festes Zusammenhalten kann der Sieg errungen werden. Dieser Gesichtspunkt sollte insbesondere auch für die Wahl im ersten Wiener Wahlkreise der Leopoldstadt für die Stellungnahme der Wählerschaft entscheidend sein. Hier stehen einander schon vier jüdische Kandidaten gegenüber — es sind dies die Herren: Dr. Josef Bloch, Ferdinand K 1 e b i n d e r, Dr. Julius 0 f n e r und Dr. J. S c h a 1 i t — und es besteht die höchste Gefahr, dass angesichts dieser Zerklüftung das Mandat trotz der Mehrheit der jüdischen Wähler in nichtjüdische Hände gerät. Diese unerwünschte Eventualität kann nur verhindert werden, wenn die jüdische Wählerschaft sich früher oder später — aber nur nicht z u spät! — auf jenen Kandidaten einigt, der im Kampfe gegen die Christlich-Sozialen die grössere Chance des Sieges bietet. Wir hoffen, dass es zu einem Wahlkampf zwischen Juden und Juden nicht kommen werde, und so weit es an uns liegt, werden wir gewiss Alles aufbieten, um im geeigneten Zeitpunkte eine Einigung zwischen den einzelnen, heute noch einander befehdenden Gruppen herbeizuführen. * * * Ueber Veranlassung des Hof- und Gerichtsadvokaten Doktor Josef Winternitz und des kaiserlichen Rates Med. Doktor S. Krüger ist ein Vertrauensmännerkomitee jüdischer Wähler des ersten Wahlkreises im zweiten Wiener Bezirke zusammengetreten mit der Aufgabe, den ehemaligen Reichsratsabgeordneten Dr. Josef Bloch, Schriftsteller in Wien, für die bevorstehende Reichsratswahl in diesem Wahlkreis zu kandidieren. Das Komitee hat für den 18. d. M. in das „Hotel Guth" eine Wählerversammlung einberufen, welche zahlreich besucht war. In derselben enunzierte der Vorsitzende die Annahme einer Resolution, welche es als notwendig bezeichnet, dass im neuen Paria-