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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-02-01 · 2 (2.1907) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
2 (2.1907)
Date
1907-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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gestrebt, niemals sich hervorgedrängt. Aber vielleicht eben darum haben ihm seine Mitbürger und in erster Reihe seine Standesgenossen ihr volles und uneingeschränktes Vertrauen zugewendet. Sein gerader und offener Sinn, seine Wahrheitsliebe, sein unbestechliches Rechtsgefühl, sein liebenswürdiges und doch innerlich vornehmes Wesen, seine Klugheit und vor allem die seltene Fähigkeit, die kompliziertesten Verhältnisse rasch zu erfassen und auch Anderen klar zu machen, erklären die Zuneigung und Verehrung, deren sich Wilhelm Anninger in allen Kreisen der bürgerlichen Gesellschaft erfreut. Seit vielen Jahren bekleidet er die Stelle eines Schiedsrichters der Waarenbörse und das Justizministerium berief ihn zum Laienrichter beim Handelsgerichte. Der KaufV männische Verein würdigte seine Verdienste um diese angesehene Institution durch seine Ernennung zum Ehrenmitgliede. Schon im Jahre 1891 lenkte sich auch die Aufmerksamkeit der politischen Kreise Wiens auf ihn. Nach dem Verzichte Dr. Weitlofs auf das Reichsratsmandat der Inneren Stadt hat das Exekutivkomitee der freisinnigen Partei Wilhelm Anninger dieses Mandat angeboten. Herr Anninger hat damals mit Rücksicht auf seine ausgedehnten Berufsgeschäfte zum aufrichtigen Bedauern der Wählerschaft der Inneren Stadt die Kandidatur ablehnen müssen. Die Gründe, die ihn damals bestimmten, aus seinem engeren Wirkungskreise nicht hervorzutreten, sind heute nicht mehr vorhanden. Er ist in der erfreulichen Lage, dem nunmehr neuerdings an ihn ergehenden Rufe seiner Mitbürger Folge zu leisten, und wie wir ihn kennen, würde es ihm doppelte Befriedigung gewähren, unter den geänderten politischen Verhältnissen das Mandat aus den Händen einer überwiegend j ü d i s c h e n Wählerschaft zu empfangen. | Denn — last not least — muss es betont werden: Wilhelm Anninger ist Jude mit allen Fasern seines Herzens, ein warmempfindender, mutiger, für das Recht und die Menschenwürde seiner Glaubensbrüder stets kampfbereiter Jude. Wenn ihm vor Jahren die Zeit mangelte, das Reichsratsmandat der Inneren Stadt anzunehmen, so hielt er es docü für eine Ehrensache, sich die nötige Zeit abzuringen, um der Berufung zum Präsidenten der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" zu entsprechen. Und welch ein Präsident war er! Seiner Initiative verdankt das Rechtsschutzbureau der „Union" seine Entstehung, das so wirksam und so erfolgreich vielen Tausenden bedrängter Juden im Kampfe um Ehre, Recht und Existenz beigestanden ist. Mit bewundernswerter Pflichttreue erfüllte er seine Obliegenheiten an der Spitze dieser grossen Vereinigung bis zur äussersten Grenze der physischen Möglichkeit, bis ihn Ueberanstrengung zwang, das Präsidium abzugeben. Aber auch dann noch legte er den grössten Wert darauf, im Vorstande zu verbleiben und seinen klugen Rat, seine rasch zugreifende Tatkraft dem Rechtsschutzbureau zur Verfügung zu stellen.

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