Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 2 (2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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*2 gebung vielfach den Stempel der Judenfeindlichkeit trug, wenn die Gesetze gegen den Hausierhandel, gegen die Wanderlehrer, gegen den unlauteren Wettbewerb, gegen das Detailreisen, wenn die Einführung des Befähigungsnachweises für die Handelsgewerbe sichtlich auf die Schädigung des kaufmännischen Erwerbes der Juden zugeschnitten waren, so wird diese Tendenz der Einschränkung des jüdischen Erwerbes noch in potenzierterem Masse sich geltend machen. Jene wenigen jüdischen Abgeordneten, die aus Galizien in den Polenklub entsendet werden, sind, wie die vieljährige Erfahrung gelehrt hat, an Händen und Füssen gefesselt, durch die Verpflichtung auf die Klubstatuten mundtot gemacht. Angesichts der erhöhten Gefahr, die ihnen droht, sind daher die Juden auf selbständige, mutige, kenntnisreiche und kraft ihrer Individualität auf den Gegner imponierende Vertreter angewiesen. In ganz Oesterreich nun — wieder mit Ausnahme Galiziens — hat die neue Wahlkreiseinteiluug nur zwei Wahlbezirke geschaffen, in welchen die jüdischen Wähler über eine absolute Majorität verfügen : das ist das Kaiviertel der Inneren Stadt und der erste Wahlkreis der Leopoldstadt. Nur in diesen zwei Bezirken können die Juden aus eigener Kraft solche Abgeordnete wählen, die neben den allgemeinen freiheitlichen Grundsätzen und neben den Forderungen des ökonomischen Fortschrittes auch spezifisch jüdische Interessen zu vertreten und die Antastung der staatsbürgerlichen Rechte der Juden zurückzuweisen entschlossen sind. Das Kaiviertel ist nun noch besonders als ein Wahlbezirk der jüdischen Kaufleute qualifiziert. In einem Augenblicke, wo unter Mithilfe oder Duldung der Regierung ein aus radikal-antisemitischen Elementen zusammengsetztes Parlament mit verdoppeltem Eifer die Axt an den kaufmännischen Erwerb der Juden zu legen gewillt ist — und viel mehr als dieses kaufmännische Gebiet hat man ihnen ja nicht mehr übrig gelassen — erscheint es als selbstverständlich, dass die jüdischen Wähler des Kaiviertels ihr Vertrauen einem Manne zuwenden, der beide für dieses Mandat erforderlichen Eigenschaften in hohem Masse in sich vereinigt: die Eigenschaft des angesehenen Kaufmannes und die Eigenschatt des guten Juden. Da ist denn Wilhelm Anninger geradezu der prädestinierte Mandatsträger des Kais. Wenn er selbst stolz ist auf seinen kaufmännischen Beruf, so ist der Kaufmannsstand nicht minder stolz auf ihn, den er zu seinen Zierden, seinen leuchtenden Vorbildern zählt. Wilhelm Anninger ist ein seif made-man im besten Sinne des Wortes. Aus kleinen Anfängen hat er sich zu einer hervorragenden Stellung in der Wiener Kaufmannschaft emporgerungen. Er hat nie nach Ehrenstellen, Würden und Titeln