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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-12-01 · 12 (12.1906) · p. Seite 15

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
12 (12.1906)
Date
1906-12-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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1& 80jährigen Frau zu zwei Jahren Gefängnis und den üblichen Zusatzstiafen verurteilt worden sei. Am 24. Oktober richtete nun der Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an das „Keich" und die „Staatsbürger-Zeitung" eine Zuschrift, in der auf Grund von Informationen an amtlicher Stelle mitgeteilt wurde, dass David Gross evangelischen Glaubensbekenntnisse» ist und einer evangelischen Familie entstammt, deren lebende Mitglieder zurzeit im Armenhause zu Weil im Dorf untergebracht sind. Der Zentralverein ersuchte infolgedessen um eine Berichtigung. Die Redaktionen beider Zeitungen haben bis heute vollauf Zeit gehabt, sich, wenn sie dem Zentralverein nicht glauben wollten, in Stuttgart an amtlicher Stelle zu erkundigen, es aber offenbar nicht der Mühe wert gehalten, ihre falsche Angabe zu berichtigen, obgleich ihr Verhalten sie leicht dem hässlichen Verdacht einer absichtlichen Fälschung und Verleumdung aussetzen könnte. Wir enthalten uns jeder weiteren Bemerkung und überlassen die Beurteilung solcher Redaktionen allen Unparteiischen. Köln. („ J üdische Interessenpoliti k".) Dieses Schlagwort, das die „Oesterreichisch-Israelitische Union" für die letzten mährischen Landtagswahlen ausgegeben und welches den Widerspruch der österreichischen Zionisten gefunden hat, wird nun vom offiziellen zionistischen Parteiorgan „Di e Welt" für die Wähler im deutschen Reiche ausgegeben. Es heisst da wörtlich : „Wie wir sehen, kann den Juden ibr Anschluss an irgend eine bestimmte, massgebende Partei gar nichts helfen, kann die Schäden des jüdischen Lebens nicht sanieren. Eine eigene jüdische Partei wäre vielleicht eine ganze Lösung, ein grosses Mittel. Aber es gibt Situationen, wo grosse Mittel nicht helfen, wo nur Teillösungen möglich sind. Eine solche Teillösung der aktuell gewordenen Frage wäre eine egoistische Politik der Juden, d. h. eine reale Interessenpolitik. Nicht um Namen und Theorien soll es tich den JudwU handeln, nicht für die schönen Augen der Müller-Meiningen oder Mugdan sollen sie sich begeistern, sondern für praktische Zwecke. Verspricht ein Kandidat, jüdische Interessen zu unterstützen — dann, aber nur dann — darf er auf die Stimmen der Juden rechnen. Ein positives Programm soll die Garantie seiner Aufrichtigkeit sein." Genau das und nichts Anderes hat die „Oesterreichisch-Israelitische Union" den österreichischen Juden empfohlen. Wozu also der Lärm? *j£ Basel. (Das Schächtverbot in der Schweiz.) Im grossen Rat von Basel hat der Führer der Katholiken Dr. Feigenwinter sich in sehr entschiedener Weise gegen das schweizerische Schächtverbot gewandt und es offen ausgesprochen, dass es nicht irgend welchen sachlichen Gründen entspringt, sondern lediglich durch einen engherzigen und törichten Antisemitismus herbeigefühlt sei. Gegenüber den verächtlichen Motiven, aus denen heraus es entstanden ist, betonte der katholische Deputierte die Pflicht, den durch das Schächtverbot gegenüber den Juden verübten Gewissenszwang zu beseitigen. „Man weiss, so führte Dr. Feigenwinter aus, wie durch das Schächtverbot die Gewissen bedrückt werden. Deshalb wird aber kein Pfund geschächtetes Fleisch weniger gegessen. Vielmehr sind die Israeliten nun gezwungen, geschächtetes Fleisch aus dem Ausland zu beziehen, was ihnen Hunderttausende unnötiger Kosten verursacht, aber doch nur die Schweiz schwer schädigt. „Wir sollten un» hüten, auf derartige Dinge einzugehen. Denn es nützt nichts und kann höchstens diejenigen, die sich hier nicht zu verteidigen in der Lage sind, beleidigen." St. Petersburg. (Das Zentralkomitee des Verbandes der Gleichberechtigung der Juden) macht bekannt: In einigen Blättern ist die Mitteilung erschienen, dass sich alle russischen Juden bei den bevor-

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