Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 12 (12.1906)
- Date
- 1906-12-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 stehenden Wahlen der Partei der Friedlichen Erneuerung anachliessen werden. Das Zentralkomitee des Verbandes der Gleichberechtigung der Juden hält es für seine Pflicht, za erklären, dass obige Mitteilung den Tatsachen nicht entspricht. Der Anschluss der Juden an die Partei der Friedlichen Erneuerung würde sowohl den nicht misszuverstehenden Beschlüssen des allrussischen Kongresses des Verbandes als auch den Interessen der Juden widersprechen. Die Schwankungen der hervorragendsten Führer der Partei der Friedlichen Erneuerung in der Frage der Realisierung der vollen Gleichberechtigung der Juden entsprechen weder der prinzipiellen Wichtigkeit dieser Frage, noch dem Kulturniveau der russischen Juden, die schon seit langer Zeit erkannt haben, dass die Gleichberechtigung der Juden nicht allmählich und nicht auf dem Kompromisswege erreicht werden kann und dass zur Erreichung der Gleichberechtigung eine feste Opposition gegen alle Regierungsmassnabmen erforderlich ist, die den Prinzipien der bürgerlichen Parität und der politischen Freiheit zuwiderlaufen. Vom Buchertisch. Dr. Rudolf Wassermann, Beruf, Konfession und Verbrechen. Eine Studie über die Kriminalität der Juden in Vergangenheit und Gegenwart. 106 S. München, Ernst Beinhardt. 1907. Preies 5 M. Der Verfasser gibt in der Arbeit auf Grund der vorhandenen Literatur eine Zusammenfassung dessen, was sich nachdem heutigen Stande der Krimiualstatistik über die Kriminalität der Juden sagen lässt. Sein Hauptbestreben geht dahin, im Anschluss an Lindenau die Kombination zwischen Konfession, Alter und Beruf, soweit wie möglich durchzuführen uud dadurch über die heutige offizielle Kriminalstatistik hinauszukommen, welche die verschiedene Berufs¬ und Altersgliederung bei Juden und Christen nur unvollkommen berücksichtigt. Er gelangt zu dem Ergebnis, dass die eigenartige Kriminalität der Juden sich durchwegs als Folge ihrer eigenartigen Berufs- und Altersgliederung erklären lässt und dass in Deutsehland und Oesterreich die Kriminalität der Christel der Kriminalität der Juden iu demselben Masse ähnlicher wird, als jene Länder sich zum Industriestaat entwickeln, das heisst, die Berufsgliederung der Christen sich derjenigen der Juden annähert. „Jedes Land hat die Kriminalität der Juden, die seinen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen entspricht, das heisst die Kriminalität der Juden eines Landes ist nichts festes, sie ist nicht bedingt durch die Rasse und wurzelt nicht im Wesen einer jeweils mehr oder minder ausgeprägten jüdischen Eigenart. Sie ist vielmehr das Produkt sozialer Verhältnisse, auf das Rasseneigentümlickeiten, wenn überhaupt, nur in einem ganz geringem Masse einwirken." Den Schluss der lesenswerten und leicht verständlich geschriebenen Schrift bilden Vorschläge, wie die amtliche Kriminalstatistik dem Einflüsse von Berufs- und Alters Verschiedenheit bei Christen und Juden Rechnung tragen könnte.