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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-12-01 · 12 (12.1906) · p. Seite 14

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
12 (12.1906)
Date
1906-12-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 Affäre, sowie die Frage der Bedrängnis der russischen Glaubensbrüder in teilnehmender Weise berührt und zum Schlüsse allen Förderen der Dank ausgesprochen. Der Bericht, sowie der Sektionen der Kassaverwaltung wird einhellig genehmigt, seitens der Sektion für Krankenpflegerinnen zwei in langjährigem Dienste verdiente Pflegerinnen zur Prämiierung vorgeschlagen und wurden bei den zum Schlüsse vorgenommenen Ergänzungswahlen M.-Dr. Rudolf Bloch, Hugo Orlik, Rudolf Werfel, ferner die Herren Jak. Kauders und Moriz Kornfeld neugewählt. Beim Vereinsabend am 29. v. M. hielt Herr Siegfried L i e b e r s einen Vortrag über Gottlieb B o n d y s vielbesprochene „Regesten", die seit ihrem Erscheinen — nicht nur in der jüdischen — Gelehrtenwelt berechtigtes Aufsehen erregen. Indem der Vortragende seine Ausführungen gleich zu Beginn auf Umfang und Inhalt eines sachlichen Referates einschränken zu wollen erklärt, zeigt er in chronologischer Reihenfolge die wichtigsten Dokumente auf, die für künftige Geschichtsschreibungen eine wertvolle, historische und kulturgeschichtliche Fundgrube bilden werden. Das Buch behandelt in zwei Teilen an der Hand von 3146 Aktenstücken Geschehnisse im Rechts- und sozialen Leben der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien und reicht, im Jahre 1906 beginnend, bis zum Jahre 1620, weist somit, abseits von sagenhafter Ueberlieferung, u r k u n d 1 i c h die bereits allenfalls vor genau 1000 Jahren erfolgte Ansiedlung der Juden in Böhmen nach, das beste Zeugnis, dass dieselben dortse lbstkeine Fremden sind. Die Dokumente, die aus Archiven des Museums, der Universität, der Statthalterei, der Ministerien und mannigfacher Städte, voran Prags, geschöpft und in deutscher, tschechischer und lateinischer Sprache abgefasst sind, bieten in bunter Abwechslung zumeist ein Bild der Leiden, Vexationen, Brandschatzungen und Konfiskationen dar, denen die Juden noch weit über das Mittelalter hinaus ausgesetzt waren und nur vorübergehende Lichtpunkte finden sich so unter der Regierung Przemysl Ottokars IL, der sogar den Anlauf zu einer rechtlichen Gleichstellung der Juden nimmt, dann Karls IV., weiter Ferdinand L — der jedoc'. unbeständig und verhetzt, die erteilten Privilegien wieder zurücknimmt und schliesslich das Tragen des gelben Ringes an der Brust dekretiert — und Rudolf IL, unter dessen Aegide nebst den Brüdern Basewa, insbesondere Mordechai Meisel, der Gründer der nach ihtn benannten Prager Synagoge zu Rang und Ansehen gelangt, was jedoch die Einziehung seines Nachlasses nach seinem Tode nicht hindert. Interessant ist auch, wie nicht selten die Steuerschraube gegen die Juden gehandhabt wird, insbesondere bei der Türkensteuer, oder wenn es gilt, sie zur Deckung des für die Prager Schlossverschönerungen nötigen Aufwandes heranzuziehen. Aber auch mancher päpstlicher, für die Verbesserung des Loses der Juden eintretenden Bullen, interessanter Rechtsfälle und Kompetenzkonflikte geschieht Erwähnung und auch das Wüten der Pest in Prag im Jahre 1607 findet hier seine quellenmässige Bestätigimg. Zum Schlüsse seines wirkungsvollen, mit reichem Beifalle der Zuhörerschaft belohnten Vortrages betont Redner noch, dass eine Fortsetzung dieses für alle Geschichtsforscher gleich schätzenswerten Werkes, das der Munifizenz und dem Sammlerfleisse eines ausserhalb zünftiger Gelehrsamkeit stehenden Mäcens seine Entstehung verdankt, aufrichtig zu wünschen wäre. Bei dem sich anschliessenden Geselligkeitsabende knüpfte der Vereinsobmann, Herr k. Rat F a 1 k o w i c z, indem er dem Redner dankte, an einzelne Punkte seines Vortrages an und führte deren Beziehungen zu den gegenwärtigen, aktuellen Fragen in überzeugender Weise aus. In der Debatte, an der sich ausser E Liebers noch die Herren Dr. Brandeis, Ad. M. Lederer, Dr. Oppenheimer und Leipen beteiligten, waren dann noch vielfache die Jetztzeit beschäftigende Erscheinungen des jüdischen, öffentlichen Lebens Gegenstand einer interessanten Erörterung. Berlin. (Antisemitische Wahrheitsliebe.) Das Stöcker'sche „Reich", das bekanntlich mit der „Staatsbürger-Zeitung" identisch ist, hatte am 18. Oktober die Notiz gebracht, dass von dem Stuttgarter Schwurgericht der 19jährige ,.jüdische" Gipser David ^Gross wegen Vergewaltigung einer

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