Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 12 (12.1906)
- Date
- 1906-12-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 richtiguug erscheinen lasse. Obwohl nun Reiter nobel genug war, den Wortlaut der loyalen Berichtigung Herrn Fuchsbrugger freizustellen, hat der christlichsoziale Hetzer doch den traurigen Mut aufgebracht, seine vor Gericht versprochene loyale Berichtigung in folgende Form zu bringen: „Zum Selbstmord der Dieustmagd Anna Hofer. Herr Gustav Reiter ersucht uns, in unserem Blatte mitzuteilen, dass weder er noch eines seiner Familienmitglieder jener JudeDjöngling war, der eiuem Gerüchte zufolge den Anlass zu dem tragischen Ende der Dienstmagd Anna Hofer gab. Wir kommen diesem Ersuchen hiemit nach, weil in unserer Notiz gar nichts enthalten war, was auf den Schluss hätte führen können, es müsse jemand aus der Familie Reiter die Dienstmagd mit schamlosen Anträgen verfolgt haben. Es ist sehr bemerkenswert, dass Herr Reiter nun nach Abschluss einer mit grossem Applomb geführten gerichtlichen Untersuchung gegen das antisemitische Blatt zu uns mit einer Bitte kommt. Als jene Notiz im „Tiroler" erschien (am 4. Oktober) setzte er uns dadurch in Erstaunen, dass er seiner Ueberzeugung Ausdruck gab, er, beziehungsweise eines seiner Familienmitglieder sei gemeint, und als wir sagten, wir hätten nichts dagegen, zu erklären, dass wir nicht ihn oder seinen Bruder für den Inkulpaten bezeichnen oder bezeichnen wollen, schwankte er hin und her, ob er zwischen der Annahme einer solchen Erklärung oder einer Klage gegen uns wählen sollte. Und schliesslich griff er zum letzteren Mittel, um endlieh nach achiwöchentlichem und kostspieligem vergeblichem gerichtlichen Verfahren zum ersteren zurückzukehren." So schauen die loyalen Erklärungen eines christlich-sozialen Redakteurs aus. Wenn das Beiwort „jüdisch" in Wahrheit die Bedeutung hätte, die ihm antisemitische Dummköpfe unterlegen, dann müsste man hier fragen: Wer hat da jüdisch gehandelt: Der .Tud oder der Christ? Die Antwort kann man aus der „loyalen" Berichtigung lesen, in der die Verdächtigung noch boshafter, gemeiner und tückischer wiederholt wird als das erstemal, aber auch diesmal wieder so feig, dass der Beleidigte zu einer gerichtlichen Klage keine Handhabe gehabt hat. Er hat sich daher auf andere Weise geholfen, und das „Tiroler Volksblatt" vom 7. d. M. gibt darüber folgenden Aufschluss: „Mit der Hundspeitsche. Wie wir hören, hat heute Früh Herr Gustav Reiter dem Redakteur des „Tiroler", Herrn Peter Fuchsbrugger, in der Adolf Pichlerstrasse mit einer Hundspeitsche mehrere Schläge versetzt, so dass sich der Redakteur flüchten musste. Reiter schlug dem Fliehenden nochmals nach und zerbrach ihm hierbei den Schirm. Der Angreifer wollte den Redakteur wegen einer Notiz im gestrigen „Tiroler", betreffs des seinerzeitigen Selbstmordes der in der Familie Reiter bediensteten Magd Anna Hofer züchtigen, den Ernst des Auftrittes beweist der Umstand, ddss Reiter sogar einen Herrn mit sich nahm, der Zeuge der Züchtigung sein sollte." Prafl. (ZentralvereinzurPflegejüdischerAngelegenh e i t e n.) Am 25. v. M. fand unter reger Beteiligung die Generalversammlung unter Vorsitz des Obmannes Herrn k. Rat Falkowicz statt. Der vom Herrn Dr. W e 11 s c h vorgetragene Geschäftsbericht gedenkt zunächst der verstorbenen Gönner und entrollt ein ausführliches Bild der intensiven Vereinsarbeit auf den mannigfachsten Gebieten und innerhalb der verschiedenen Sektionen, weist insbesondere auf die gedeihlichen Resultate der Handwerkersektion und die erfreuliche Entfaltung des Lehrlingsheims hin und erwähnt das wiederholte Eintreten im Interesse der böhmischen Judenschaft, die erspriesslichen Wechselbeziehungen zu zahlreichen verwandten Institutionen, sowie die mit Erfolg von Gemeinden und Korporationen auf dem Lande in Anspruch genommene Beratung und Mithilfe des Vereines; auch der zahlreichen Veranstaltungen, insbesondere des glänzenden Vortrages Ludwig Steins wird gelacht die allgemeine Lage erörtert und auch die Hilsner-