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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-12-01 · 12 (12.1906) · p. Seite 12

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
12 (12.1906)
Date
1906-12-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Korrespondenzen. Wien. (Das Ritualmordmärchen im. Konversationslexikon.) In Meyers „Kleinem Konversationslexikon", 7 Auflage, 1. Band, Seite 280, findet sich unter dem Schlagworte „Antisemiten" am angeführten Orte folgende merkwürdige Bemerkung: „. . . zugleich wuchs in Ungarn die Bewegung infolge jüdischer Ritualmorde. ..." Es läge wohl im öffentlichen Interesse, der Verbreitung solcher antisemitischer Unwahrheiten durch sogenannte „populäre" Werke entgegenzutreten. Meyer's Konversationslexikon — auch das grosse — ist übrigens auch dnrch andere antisemitische Tendenzlügen berüchtigt. Wien. (Wahlen in den Kultusvorstand.) Bei den am 2. resp. 9. Dezember durchgeführten Neu- und Ersatzwahlen in den Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde wurden gewählt die Herren: Dr. Alfred Berg er, Max Frank (neu), Emanuel Hoffmaun, Dr. Gustav Kohn, kais. Bat Leopold Langer (neu), Dr. Hermann Löwi (neu), Universitätsprofessor Dr. Josef P o 11 a k (neu), Adolf Schramek (neu). Kommerzialrat Leopold Simon (neu), Dr. Maximilian Steiner, Samuel Steiner (neu) und Dr. Alfred Stern. Salzburg. In der Sitzung des Gemeindeausschusses von Hallein vom 20. November d. J. wurde folgender, den Staatsgrundgesetzen widerstreitender Beschluss gefasst: „Der Gemeindeausschuss der Stadt Hallein legt unter Hinweis auf die bereits wiederholt vorgekommenen Ernennungen von nichtdeutschen Beamten und Dienern für Hallein und unter weiteren Hinweis auf den rein deutschen Charakter der Stadt entschieden Verwahrung gegen solche Nichtbeachtung unseres Volkstums ein und bringt die bestimmte Forderung zum Ausdruck, dass in Zukunft bei allen hier vorkommenden Besetzungen Bücksicht genommen werde auf die deutsche Bevölkerung der Stadt Hallein und bei allen den k. k. Ministerien unterstehenden Aemtern alle Nichtdeutschen und Semiten von der Anstellung als Beamte, beziehungsweise Diener ausgeschlossen werden." Es ist Pflicht der Landesregierung, diesen ungesetzlichen Beschluss zu inhibieren. Bisher verlautet aber nichts davon, dass dies auch wirklich geschehen sei. Innsbruck. (Eine wohlverdiente Züchtigung) hat sich der Redakteur des christlichsozialen Hetzblattes „Der Tiroler" zugezogen. Derselbe, Fuchsbrugger mit Namen, hat sich nämlich eines Tages folgende infame Notiz geleistet: „Zum Leichen fund in St. Michel e. Die aus der Etsch gezogene Dienstmagd Anna Hofer war bei der jüdischen Familie Reiter in Gries bedienstet. Ein Gerücht will wissen, dass sie ihrem Leben ein Ende machte, um den Nachstellungen eines gailen Judenjüngels zu entgehen. Sie zog den Tod dem Verlust ihrer Mädchenehre vor." Die infame Verdächtigung ist durch den Hinweis auf das Judentum der Dienstgeber der armen Selbstmörderin augenscheinlich auf die höchst anständige Familie des Herrn Reiter gemünzt* gewesen, weshalb derselbe die Strafanzeige erstattete. Weil aber Herr Fuchsbrugger zu feig war, seine Verdächtiguug in eine bestimmte Form zu bringen, hat es Herr Reiter vorgezogen, von seiner Klage unter der Bedingung abzustehen, wenn Fuchsbrugger, wie er das bei Gericht zu Protokoll g e g e b e n h a t, eine loyale Be-

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