Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 11 (11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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23 Landesgerichtes gilt die Arbeiterschaft als eine Klasse minderen Rechtes. Als Hofrat des Obersten Gerichtshofes wird Herr Dr. K i s s e r vielleicht nur mehr dem hohen Klerus Rechte zuerkennen. Wir werden jedenfalls seiner weiteren Entwicklung ein wachsames Auge schenken." Korrespondenzen. Wien. ( Der jüdische Kolonisationsverein) hat vom Komitee zur Förderung des Ackerbaues und des Handwerkes unter den Juden in Syrien und Palästina folgende Zuschrift erhalten : 0 d e s s a, den 15/28. Oktober 1906. An das Zentralkomitee des jüdischen Kolouisationsvereines. Wien, II/3, Gredlerstrasse 9. Sehr geehrte Herren! „Die Welt" Nr. 4l brachte uns Ihren Aufruf zur Gründung Ihres Palästina-Kolonisationsvereines. Als Komitee einer der ersten Palästina-Kolonisationsgesellschaften, gegründet vom unvergesslichen Autor der „Auto - Emanzipation" Dr. Pinsker, beehren wir uns. Sie zu begrüssen und Ihnen erfolgreiches Wirken zu wünschen. Unsererseits werden wir immer bereit sein, Ihrem jungen Vereine mit unseier auf dem Gebiete der Kolonisation Palästinas langjährig erworbenen Erfahrung zu dienen, ui d ^ir sprechen hiermit unseren innigen Wunsch aus, dass jede für Palästina-Kolonisation bestehende Institution ihre Arbeit mit den Arbeiten der andereu für denselben Zweck wirkenden Institutionen koordinieren soll. Mögen aus allen Ecken der Erde Energiestrßme ausgehen, im Lande unserer Väter sich verbindend zum Wohl und Segen unseres Volkes. Mit vorzüglicher Hochachtung Präsident: M. Ussischkin, Ingenieur. Wien. (Die Wahlreform und die jüdische Wählerschaft.) In der Debatte über die Wahlreform vertrat der Abgeordnete Dr. S trau eher in energischer Weise die Intel essen der jüdischen Wähler schaft. Derselbe beklagte sich über die Zurücksetzung der Stadt Czernowitz, die nicht zwei, sondern drei Mandate erhalten sollte. Auch jenes Volk, dessen Interesse Redner hier pflichtgemäss zu vertreten habe, erfahre eine Zurücksetzung, die Juden. In Oesterreich existieren l'/4 Million Juden und die Regierung habe teilweise die Berechtigung dieses Volkes auf eiue entsprechende Vertretung anerkannt, indem in Galizien Wahlbezirke mit jüdische- Mehrheit geschaffen wurden. Es ist nicht richtig, zu sagen, die Juden seier lediglich eine Konfession. Sie assimilieren sich wohl hier und dort. Allein dort, avo sie zu Hunderttausenden wohnen, müssen sie gewiss eine selbständige Vertretung erhalttn. (Abgeordneter Stein: Ich bin ganz einverstanden damit!) Ich weiss, Sie begrüssen jedes Divorgons. Uebrigens frage ich nicht nach Ihren Motiven und hoffe, dass sie meine Anträge mit der Ihnen eigenen Schärfe und Gründlichkeit unterstützen werdeu. Die neun Millionen Deutschen in Oesterreich erhalten 232 Mandate. (Abgeordneter Dr. Gtftz: Da sind aber viele Juden dabei!) Gewiss, 450.000 Juden, welche sich nach ihrer Umgangssprache zur deutschen Nation bekennen. (Abgeordneter Dr. G ö tz: Die Juden können ja auch gewählt werden!) Sie