Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 11 (11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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24 können, aber sie werden nicht. Allein sie erhalten nicht nur kein Mandat, sondern werden noch beschimpft und ich erachte mich infolge dessen als der einzige, der sich hier zu seinem Volke tekennt, für verpflichtet, für die Vertretung der Juden im Parlamente einzutreten. Wenn auf zirka 39.000 Deutsche je ein Mandat entfällt, dann müssten den Juden mindestens elf bis zwölf Mandate zugewiesen werden. Jeder, ohxe Unterschied der Partei, wird zugeben müssen, dass die gegenwärtige Lage ein schweres Unrecht gegenüber der Judenschaft bedeutet. Auch die Fragen der konfessionellen Gesetzgebung erheischen es, dass die Juden eine Vertretung in der Gesetzgebung erhalten. Aus all diesen Gründen werde Redner im weiteien Verlaufe der Debatte beantragen, dass die Stadt Czernowitz ein drittes Mandat erhalte und dass durch Sicherstellung in der Wahlbezirkseinteilung die Judenschaft eine Vertretung in der Bukowina erhalte. (Beifall.) CzernOWi'Z. (Anerkennung der jüdischen Nationalität.) In der Aula unserer Universität ist am schwarzen Brett nachstehende Kundmachung des Rektors affigiert: „Der akademische Senat hat in seiner Sitzung vom 29. v. M beschlossen, den Studenten zu gestatten, neben der im Nationale geforderten Angabe der Muttersprache auch ihre Nationalität zu vermerken. Dieser Vermerk wird im statistischen Ausweise anerkenuungsweise berücksichtigt werden. Der Beschluss tritt mit dem Sommersemester 1907 in Kraft, wofern nicht bis dahin eine definitive Regelung: des Rubrikenschemas seitens des Ministeriums für Kultus und Unterricht erfolgt sein wird. Hievon werden die Herren Studierenden in Kenntnis gesetzt." Hamburg (Verurteilung wegen Beschimpfung des Judentum s.) Der Redakteur S i e r i n g vom hiesigen antisemitischen „Deutschen Blatt", welcher eine im vorigen Jahre unter Vorsitz des Justizrates Fuchs abgehaltene Generalversammlung des Zentralvereines Deutscher Juden als Veranstaltung einer internationalen Verschwörer - und Betrügerbande bezeichnete, wurde vom hiesigen Landgerichte wegen Beschimpfung des Judentums und Beleidigung des Justizrates Fuchs zu vierzehn Tagen Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte einen Monat beantragt. London. (Die jüdische Haute-Finance in England gegen Russland.) Wie das Londoner „Jewish Chronicle" mitteilt, hat die gesamte jüdische Haute-Finance in England einmütig beschlossen, sich jeder Teilnahme an russischen Finanzgeschäften solange zu enthalten, bis nicht die zugesicherte Einführung der Gleichberechtigung der Juden in Ruj?slaud vollständig verwirklicht ist. Petersburg. (Die Judenfrage.) Die Petersburger Telegraphenagentur meldet: Von einigen Zeitungen wurde die Nachricht eines Wiener Blattes reproduzieit, dass man in Regierungskreisen auf den Bericht Kokowzews hin die Entscheidung der Judenfrage für verfrüht halte und beschlossen habe, die Einbringung eiaes diesbezüglichen Gesetzentwurfes aufzuschieben. Diese Nachricht beruht auf Eifiudung. Die erwähnte Frage wuide überhaupt uoch gar nicht vom Ministerräte zur Prüfung herangezogen. Derselbe wird sich erst in diesen Tagen damit beschäftigen. Petersburg. Das Regierungsblatt „Rossija" weist in einem „Auf dem Wege zur Lösung der Judenfrage" überschriebenen Artikel darauf hin, dass die gewaltsame Konzentiieiurg der fünf Millionen Juden in Westrussland aus diesem Gebiete eine Art revolutionären Akkumulators gemacht habe, in dem sich die revolutionäre Energie der jüdischen Armut entwickle- W o