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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-11-01 · 11 (11.1906) · p. Seite 20

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
11 (11.1906)
Date
1906-11-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 also direkt gegen das Interesse seines Mündels zu handeln. Diese fast einheitliche Praxis der galizischen Gerichte muss dahin führen, nicht nur den Rechtssinn der Bevölkerung, sondern auch das Zutrauen in die Wirkung und Geltung der bestehenden Gesetze zu erschüttern." Galizische Justiz. Der Kassationshof hatte am 13. d. M. über einen merkwürdigen Strafprozess zu entscheiden. Im Dorfe Majdan bei Delatyn lebte ein jüdischer Krämer namens David Glatt. Während der Gottesandacht, welche derselbe im September 1904 am Versöhnungstage im Tempelhause eines benachbarten Dorfes verrichtete, erschien sein Knecht mit der Mitteilung, dass um die Mittagsstunde in der von Glatt geführten Tabaktrafik in Majdan gewaltsam eingebrochen worden sei. Durch die Satzungen seines Glaubens abgehalten, den Gottesdienst zu unterbrechen und nach Hause zu eilen, brachte er viele Stunden in Angst und Aufregung zu, bis er endlich um 9 Uhr abends nach Hause kam und daselbst erfuhr, dass auf Anordnung des Volksschullehrers Anton Wieckowski zwei Arbeiter unter Benützung einer Axt die verschlossene Türe zu seiner Tabaktrafik gewaltsam aus den Angeln gehoben hatten und in das Lokal eingedrungen waren. Glatt konstatierte bei näherer Untersuchung des Tatbestandes, dass ihm einige Schock Eier und über 24 Kronen, ein Betrag, der für ihn in seinen armseligen Verhältnissen ein sehr bedeutender ist, fehlten, und da ihm über die Art, wie der Eingriff" erfolgte, welche Rolle die einzelnen Teilnehmer dabei spielten und wie sie sich nach dem Eindringen in sein Besitztum benahmen, von verschiedenen Seiten Verschiedenes erzählt wurde, musste er zu der Annahme gelangen, dass die Täter sich auch seines Geldes bemächtigt hatten. David Glatt erstattete gegen Anton Wieckowski und Genossen die Strafanzeige wegen Verbrechens des Hausfriedensbruches, doch hatte dieselbe keinen Erfolg. Nach § 83 Str.-G. wurde die Untersuchung eingestellt und das Ganze merkwürdigerweise als ein blosser Scherz hingestellt, obwohl die Burschen gestanden, den Einbruch verübt und von Wieckowsky angestiftet worden zu sein. In der Untersuchung wurde auch die Magd Glati's, Malanka T o r u s, als Zeugin einvernommen. Und diese hat nun, nachdem sie vorher dreimal verhört worden war und davon nichts gesagt hatte, bei ihrer Einvernehmung im Juni 1905 deponiert, Glatt hätte sie beredet, als Zeugin vor Gericht auszusagen, dass die Täter nur Geld und Eier gestohlen haben. Da dies jedoch nicht wahr sei, so könne sie es nicht bestätigen. Infolgedessen wurde Glatt dem Kreisgerichte S t a n i s 1 a u wegen Verbrechens der

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