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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-11-01 · 11 (11.1906) · p. Seite 13

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
11 (11.1906)
Date
1906-11-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 wo es gar viele erschütternde Abschiedszenen gegeben und die Tränen seiner dem heimatlichen Boden entrissenen, einer düsteren Zukunft entgegengehenden Landsleute in Strömen geflossen. Im Wachen und im Träumen war sein Geist mit dem Schicksale der namenlos Unglücklichen beschäftigt, deren Geschick er in seiner ganzen Tragweite erf'asst hatte, und man kann sich leicht vorstellen, dass auch sein Schlaf, wie er übrigens selbst andeutet, keine angenehme Ruhe gewesen, sondern mehr einer unvollständigen drückenden Betäubung geglichen. Doch einmal hatte er, wie er erzählt, nachdem er aus einem sehr bewegten, wundervollen Traume erwacht und eine bessere Zukunft gesehen, einen angenehmen Schlaf. (Jeremia, Kap. 31. 25.) Die Klagelaute von Ramah, die ihn so sehr ergriffen, und das laute Weinen, das sein Herz erschüttert hatte, erschien ihm im Schlafe, als ein Wehklagen der über den Verlust ihrer Kinder jammernden Mutter Rachel. Die Ahnfrau ist untröstlich ob ihrer Kinder, die sie nicht mehr an der Stelle findet. Da redet ihr der ewige Gott selbst zu, dass sie vom Klagen und Weinen lasse, und verspricht ihr als Lohn für ihr Wirken eine hoffnungsvolle Zukunft, Rückkehr ihrer Kinder aus Feindesland und Wiederbesetzung ihres Gebietes. Daran schliessen göttliche Tröstungen und Ermahnungen, die den Nachkommen Rachels vom Stamme Efrajim und den bisherigen Bewohnern jener Gegend gelten und solche, die an die Judäer gerichtet sind und ihrem Lande eine heil volle, frohe Zukunft versprechen, worauf der Prophet in freudiger Erregung erwacht. .Als dann sein Seherblick alles, was er im Traume wahrgenommen, durchdrungen und das Gemüt in eine andauernde ruhige Stimmung versetzt hatte, brachte der angenehme Umschlag der Gefühle dem abgehärmten Körper des Gottesmannes einen sanften, erquickenden Schlaf. Die laut klagende Stimme, die zu Ramah erklungen, hat Jeremias als die Stimme des umfassenden Erbarmens erkannt, das Gefühlen entspringt, die mütterlichen Gefühlen ähnlich, und von edlen Müttern auf ihre Kinder vererbt zu werden pflegt; so ist das Bild der jammernden Ahnfrau entstanden. Das vom Mitleide getragene Gemeingefühl hat dann im Exil sehr heilsam gewirkt und sein Wirken ist belohnt worden. Vornehmlich war das bei Nachkommen Rachels aus dem Stamme Binjamin der Fall. Die Bewohner ganzer Städte, die Leute aus Anatot (Geburtsstadt Jeremias), Kinjat-Arim, Kefira^ Reenoth, Rama, Geba, Jericho, Beth-El und Ai sind gemeinsam in ihr früheres Gebiet und in ihre einstigen Wohnsitze zurückgekehrt. (Esra, Kap. 2.) Wenn sie nicht im Exil zusammengehalten und einander geschützt und gestützt hätten, wäre das gewiss nicht der Fall gewesen. Der Prophet hatte den Exulanten geraten, sich nicht den bitteren Gefühlen hinzugeben — daher das Wortspiel in Vers 14

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