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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-11-01 · 11 (11.1906) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
11 (11.1906)
Date
1906-11-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 wenn ich sage, dass diese grandiose Entwicklung auch der Judenschaft zum Eeile gereichen wird. Es ist selbstverständlich, dass die Juden in den genannten Staaten nur als Individuen oder als Religionsgenossen schalt hervortreten. Von jüdisch-nationaler Inlandspolitik kann dort keine Rede sein. Die Einwanderung der russischen, rumänischen und galizischen Juden könnte allerdings eine gewisse Aenderung dieses Zustandes herbeiführen. In London beispielsweise haben sich die eingewanderten " Juden als ein selbständiger Fremdkörper bemerkbar gemacht. Man trägt ihren Bedürfnissen bereits Rechnung; die Polizisten, die Friedensrichter erlernen „Yiddisch", um sich mit ihnen verständigen zu können. Es bleibt dahingestellt, ob es in absehbarer Zeit gelingen wird, diesen mächtigen Block fremder Juden in den Bereich englischer Kultur einzubeziehen, ob es gelingen wird, auch sie mit dem Geiste der Assimilation zu erfüllen. Die englischen und amerikanischen Juden erkannten, dass der Strom der Einwanderer ein neues und schwieriges und für sie selbst vielleicht nachteiliges Problem mit sich führe und sie waren zunächst bestrebt, ihren Brüdern aus dem Osten den Weg zu verlegen. Die russischen und rumänischen Juden fanden in der ersten Zeit verschlossene Türen. Die Einwanderungsgesetze wurden verschärft, bald aber überwog die Humanität, die Sympathie für die Armen und Elenden und seither haben die englischen und amerikanischen Juden in ihren Hilfsaktionen Bewundernswertes geleistet. Abgesehen von den rein humanitären Bestrebungen ist ihrer Teilnahme an der Verwirklichung der zionistischen und itoistischen Pläne zu gedenken. Hier sei es mir erlaubt, eine kurze Bemerkung über den Itoismus einfliessen zu lassen. Diese Bewegung ist bekanntlich auf eine Spaltung im Schosse der zionistischen Partei zurückzuführen. Zangwill und mit ihm viele Andere fanden, dass sich der Schaffung einer Heimat in Palästina anscheinend unwiderstehliche Hindernisse entgegensetzen. Auch nahmen sie an, dass die Etablierung eines jüdischen Gemeinwesens unter türkischer Herrschaft von zweifelhaftem Werte sei. Nur die Patronanz einer Kulturmacht könne den Juden die ersehnten Garantien für ihre nationale Entwicklung bieten. So bestrebte sich Zangwill denn, die Patronanz der englischen Regierung zu gewinnen. Es ist wohl im Interesse unserer verfolgten Brüder zu wünschen, dass auch diese Bemühungen von Erfolg gekrönt werden. Was Deutschland anbelangt, ist hier auf vielen Gebieten, so auch auf dem des öffentlichen Lebens der Judenschaft eine Stagnation zu verzeichnen. Seitdem die Parteien, den<-n die Juden sich angeschlossen hatten,, dem fortgesetzten Abbröcklungsprozesse unterlagen, hat der offene Antisemitismus allerdings eine Abschwächung erfahren. Statt dessen aber entwickelten sich asemitische Tendenzen. Man rückte von den Juden ab, man isoliert*

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