Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 11 (11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 Vierteljahrliimderts nur 200 Juden in den rumänischen Staatsverband aufgenommen wurden. Alle Uebrigen sind von dem Genüsse der Rechte ausgeschlossen und sehen sich der Willkür einer skrupellosen Beamtenschaft preisgegeben. Man ist vor allem Andern darauf bedacht, sie im Handel und Wandel zu unterdrücken. Die 250.000 privilegierten Personen, die an der Spitze Rumäniens stehen, wachen ängstlich über die Aufrechterhaltung der ihnen durch das Gesetz verbürgten Monopole. Eben dieser Standpunkt wird von dem Herrscher selbst eingenommen und es dürfte von diesem rein materiellen Standpunkte aus Erklärung finden, dass Rumänien sich den Vorschriften der Signatarmächte des Berliner Kongresses widersetzt und ungeachtet der nachdrücklichsten Aufforderungen der Judenschaft die Gleichberechtigung verweigert. Ein ganz anderes Bild bietet sich dar, wenn man den Blick auf jene Staaten richtet, in welchen die Freiheit sich am kräftigsten entwickelt hat. Ich spreche von Frankreich, England, Italien und Nordamerika. Auch Ungarn und Australien sind in diesem Zusammenhange zu nennen. In diesen Staaten befinden sich die Juden im vollen Genüsse der bürgerlichen Rechte. Alle Aemter der Zivil- und Militärgewalt stehen ihnen offen. Sie bekleiden die höchsten Ehrenstellen, ihre Verdienste um das öffentliche Wohl werden rückhaltlos anerkannt. Dieser Zusammenhang zwischen Hochkultur und dem Emporblühen des Judentums kann Niemanden befremden, der das innerste Wesen unseres Stammes erfasst hat. Wie die Pflanze zum Licht, so drängt das Judentum zum Fortschritt. Seine besten Kräfte, seine schönsten Eigenschaften entfalten sich im Sonnenlichte der Freiheit. Lord Beaconsfield hat die Juden ein konservatives Volk genannt. Immerhin! Aber was wir konservieren, das ist die Freiheit, das ist der Geist der sozialen Gerechtigkeit, wie er in der Lehre Mosis flammt und lodert. Und so ist es denn kein Wunder, wenn ein zivilisiertes Volk in den Zeiten seiner fortschrittlichen Entwicklung die Segnungen der Freiheit brüderlich mit den Juden teilt, und dies ist der untrüglichste Beweis für den ethischen Wert des Judentums. Dort wo die Menschlichkeit siegt, dort feiert auch Israel seine grössten Triumphe. Und in den westlichen Ländern entwickeln sich die Prinzipien der Menschlichkeit immer mehr. Immer kräftiger tritt das Bestreben zutage, die reine und wahre Humanität, losgelöst von allen konfessionellen und nationalen Vorurteilen, durchzusetzen. Hier ist vor Allem des Kampfes zu gedenken, den die französische Republik gegen den Klerikalismus fuhrt. Noch immer gilt der Schlachtruf Gambetta's: Der Klerikalismus, das ist der Feind!" Das Trennungsgesetz wird mit eiserner Beharrlichkeit durchgeführt. Aber auch in Spanien unternimmt man den geradezu unerhörten Versuch, des Katholizismus Herr zu werden. So eröffnet sich in diesen Ländern eine Perspektive von unabsehbarer Bedeutung. Ich glaube nicht, fehlzugehen,