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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-11-01 · 11 (11.1906) · p. Seite 4

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
11 (11.1906)
Date
1906-11-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 geordneten als Repräsentanten des jüdischen Stammes betrachten. Und so traten die jüdischen Dumamitglieder als Vertreter ihres Volkes in die politische Arena ein. Es war das erstemal, dass eine parlamentarische Fraktion sich als Repräsentanz der Judenschaft fühlte und bekannte. Die Duma wurde aufgelöst und hiemit zerstoben alle Hoffnungen, die man auf die Nationalversammlung gesetzt hatte. Seither wird das politische Leben in Russland von einem dichten Nebel verhüllt, niemand weiss, wie sich die Verhältnisse auch nur in der nächsten Zeit gestalten werden. Die Regierung versucht den Anschein zu erwecken, als ob sie ihr Reformwerk fortsetzen wolle, allein man darf sich über diese Taschenspielerkünste nicht täuschen lassen. Jeden Augenblick wird aus den weiten Aermeln der russischen Legislatur ein neues, angeblich fortschrittliches Gesetz herausgeholt, aber die Freiheit ist nirgends zu finden. Es bleibt abzuwarten, ob es den russischen Juden gelingen wird, die wahre und wirkliche Gleichberechtigung zu erlangen. Vorläufig sind sie wieder allen den furchtbaren Quälereien und Vexationen des russischen Beamtentums ausgesetzt. Der Groll der russischen Regierung richtet sich hauptsächlich gegen die jüdischen Dumaabgeordneten. Sie werden unter Anklage gestellt, sie werden ins Gefängnis geworfen und in ihrer Existenz bedroht. Und um dessen willen allein müssen wir den jüdischen Dumaabgeordneten ein besonderes Mass von Anerkennung und Bewunderung zuteil werden lassen. Sie haben, indem sie die Lasten des Mandates auf sich nahmen, ihr Vermögen, ihre Freiheit, ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Sollte nun aber wirklich das bestehende Willkürregiment fallen und sollte insbesondere das Ansiedlungsverbot aufgehoben werden, dann wird es sich zeigen, ob die Judenschaft in Russland sich in der Richtung jüdisch-nationaler Politik weiter entwickelt, oder aber ob sie nach Art der westländischen Juden sich nur als Religionsgenossenschaft fühlen und die Assimilation mit den übrigen Mitbürgern anstreben wird. Das Rätsel der russischen Sphinx wird seine Lösung finden; aber noch oft wird sie ihre Tatzen in jüdischem Blute röten. Wie furchtbar die Lage der russischen Juden Ut, ergibt sich daraus, dass der Strom der Auswanderer sich selbst nach Rumänien ergiesst — nach einem Lande, wo die Juden schlimm genug daran sind. Die 250.000 Juden, welche in Rumänien wohnen, werden nach den Gesetzen des Landes als Fremde betrachtet. Die Verfassung gestattet allerdings auch die Naturalisierung von Juden. Aber welche Voraussetzungen müssen hiefür zusammentreffen? Der Jude, welcher des Vorzuges der Naturalisation teilhaftig werden will, muss sich auf eine zehnjährige Sesshaftigkeit berufen können und sich durch hervorragende Taten ausgezeichnet haben. Seine Aufnahme erfolgt erst mit Genehmigung der Zweidrittel-Majorität des Parlamentes. So kommt es, dass innerhalb eines

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