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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-11-01 · 11 (11.1906) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
11 (11.1906)
Date
1906-11-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Schilderung. Sie sind, meine Hochverehrten, über diese Orgien der Bestialität genügend unterrichtet. Damals begannen die Schandtaten und sie wiederholten sich in den greulichsten Variationen. In jenen Tagen aber berichtete Se. Exzellenz Graf Goluchowski der österreichischen Delegation „Unsere guten Beziehungen zur kaiserlich russischen Regierung verdichten sich zu intimer Freundschaft." In unseren Herzen, meine Hochverehrten, haben diese Ereignisse ganz andere Gefühle ausgelöst. Unsere Sympathien für die russischen Juden haben sich zu wahrer Bruderliebe gesteigert. Und der alte Schmerz erwachte wieder in uns, das Weh um unser unglückliches Märtyrervolk. Zugleich aber stieg ein früher nicht gekanntes Gefühl des Stolzes in uns auf. Mit den Waffen in der Hand sind sie gefallen! Sie haben dem Tode wie Helden ins Auge geschaut und aus tiefstem Herzen danken wir dafür, dass sie den jüdischen Namen zu Ehre brachten. Mit blutiger Deutlichkeit haben wir erkannt, dass den russischen Juden eine eherne Widerstandskraft innewohnt. Die furchtbarsten Leiden, die heftigsten Verfolgungen, vermochten nicht, die Energie dieses Volkes zu brechen. Und diese Unbeugsamen haben redlich mitgeholfen, als es galt, der Freiheit den Weg zu bahnen. Man hat den russischen Juden nachgesagt, sie seien die Urheber der Revolution. Nun, diesen Ungeheuern Ruhmestitel hat ihnen das Schicksal vorenthalten. Wohl aber waren sie stets in den ersten Reihen der Freiheitskämpfer zu finden, sie beteiligten sich an der Propaganda der Tat nicht minder als an dem aufreibenden Guerillakriege gegen die täglichen und stündlichen Willkürakte der russischen Bureaukratie. Will man erkennen, welcher Natur dieser Kampf ist, so muss man bedenken, dass das Gesetz in Russland, soweit es die Juden betrifft, geschriebenes Unrecht ist. Es ist ein Dickicht von Willkürbestimmungen, durch die sich die Judenschaft Bahn brechen muss. Nur durch Beschwerden. Eingaben, Petitionen, vermögen die Juden vorwärts zu kommen. Jeden Fussbreit müssen sie erkämpfen. Der Zionismus und die Sozialdemokratie teilen sich in das Verdienst, den politischen Sinn der Juden geweckt und gestählt zu haben. Als die Duma eröffnet wurde und zirka ein Dutzend jüdischer Abgeordneter in diese Volksversammlung ihren Einzug hielten, brachten sie einen Schatz parlamentarischer Kenntnisse mit. Und es muss anerkannt werden, dass sie bei den Beratungen und Diskussionen ihren Mann stellten. Die Wahl der jüdischen Abgeordneten war auf Grund des konstitutionellen demokratischen Programms erfolgt. In der Duma aber formierten sie sich als „jüdischer Klub". Sie hatten Grund und Anlass hiezu. In dem Gesetze, mittelst dessen die Duma einberufen wurde, hatte die russische Regierung ausdrücklich zwischen Jaden und Anhängern des jüdischen Bekenntnisses unterschieden. Sie wollte die jüdischen Al> l*

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