Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 10 (10.1906)
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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19 KreisgericJite Tabor wurde der Angeklagte einstimmig freigesprochen. — Von den Taborer „Weisen" konnte man allerdings nichts Besseres erwarten, zumal dieselbe Staatsbehörde, die jetzt die subjektive Anklage erhoben hat, jahrelang die ärgste antisemitische Zeitungshetze ruhig geduldet hat. Korrespondenzen. Wien. (Zugunsten der russischen Juden.) Wie die Zeitungen berichten, hat auf Anregung des Rabbiners Dr. Fischer in Pest die dortige israelitische Kultusgemeinde den Beschluss gefasst, einen Weltkongress der jüdischen Gemeinden nach Pest einzuberufen, auf welchem die Schritte beraten werden sollen, durch welche die Mächte zu einer Intervention zugunsten der russischen Juden veranlasst werden können. Soweit bis jetzt bekannt, haben sich nicht nur die massgebenden Wiener und Berliner jüdischen Persönlichkeiten sehr reserviert zu dieser Frage ausgesprochen, sondern auch prominente Kreise der russischen Judenschaft die Abhaltung eines solchen Kongresses für nicht opportun erklärt. Anch der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde hat in seiner letzten Sitzung eine politische Aktion zugunsten der russischen Juden beschlossen. Dr. Maximilian Steiner und Genossensteilten nämlich angesichts der Judenmetzeleien in Russland den Dringlichkeitsantrag, dass doch mindestens noch einmal versucht werden müsse, einen Zusammenschluss der jüdischen Grossgemeinden — sei es Oesterreichs, sei es Europas — zustande zu bringen, um die Regierungen zu irgendeiner Intervention zugunsten der russischen Juden zu bewegen. In Stattgebung dieses Antrages wurde ein füiif^liedriger Ausschuss eingesetzt, der über eine Stellungnahme in Sachen der russischen Juden beraten und diesbezügliche Anträge stellen soll. Dem Komitee gehören an: Dr. Maximilian Steiner, Baurat Marmorek, kais. Rat Leopold Sachs, Dr. Markus Spitzer und Baurat Wilhelm Stiassny. Die Beratungen dieses Komitees werden wohl von denselben Bücksichten kluger Bedachtnahme auf alle subtilen Fragen, welche da mitspielen, beeinflusst sein müssen, wie die Verhandlungen über die Einbeiufung eines Weltkongresses, mit denen sich der Vorstand der „Österreichisch-Israelitischen Union" schon seit Wochen befasst.] Wien. Die von mehreren Blättern gemeldete Nacnricht, dass Leopold Hilsner, der sich, wie bekannt, in der Strafanstalt Stein befindet, nach der Sirafanstalt Pankraz überführt werden soll, weil sich die übrigen Sträflinge ablehnend gegen ihn verhalten, trifft nicht zu. Hilsner bleibt in Stein, es ist auch dort von einer feindseligen Haltung der übrigen Strafgefangenen gegen Hilsner nichts bekannt. Wien. (Eine Waisenanstalt für russische Judenkinder.) Das Aktionskomitee der zionistischen Weltorganisation hat beschlossen, in Palästina eine grosse Waisenanstalt zu errichten, die für russische Judenkinder bestimmt sein soll, die in den letzten Pogromen ihrer Eltern beraubt worden sind. Die angestellten Erhebungen haben ergeben, dass sich noch eine beträchtliche Anzahl solcher Weisen in Russland befindet, deren Angehörige 2*