Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 10 (10.1906)
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 auf die speziellen Verhältnisse in dieser Frage eine besondere Stellung einnimmt. Im Uebrigen ist der-Antisemitismus ein reines Politikum, das mit den Verhältnissen von Person zu Person nichts zu tun hat und im künftigen Landtag, wo vorwiegend nationale und wirtschaftliche Fragen ihre Lösung finden, schwerlich einen Boden für Betätigung finden wird." Es ist selbstvertändlich, dass diese hinterhältige und gewundene Erklärung die anwesenden jüdischen Wähler in keiner Weise befriedigt hat. Den Anschauungen derselben gab das Mitglied des Wahlausschusses Dr. Alois Hilf in folgenden Worten Ausdruck: „Anlässlich der Kandidatur des Herrn Dr. Freister wurde von Seite der Delegierten des Ostr mer Wahlkomitees in Zauchtl das Verlangen gestellt, dass Herr Dr. Freisler eine Erklärung abgebe, wie er sich zur Judenfrage stelle unddass die richtige Beantwortung dieser Frage für die Haltung der jüdischen Wählerschaft dieser Stadt massgebend sein werde. Die beruhigende Erklärung, die dort abgegeben wurde, hat die Mitglieder des hiesigen Bezirks-Wahlausschusses bestimmt, die, Kandidatur der Judenschaft wenigstens zu empfehlen und Herrn Dr. Freisler in dieser Wählerversammlung Gelegenheit zu geben, i einen Tisch zu machen und um das Vertrauen der jüdischen Wählet zu werben. Es steht den jüdischen Wählern frei, diese hier abgegebene Erklärung zu kritisieren, sich mit derselben zufrieden zu geben oder nicht. Meine persönliche Ansicht geht dahin, dass ich damit n i c h t einverstanden bin. (Lebhafter Beifall bei einem Teile der Versammlung.) Keinesfalls kann es uns zugemutet werden, dass wir unsere Stimmen für denjenigen abgeben, der nicht voll und uanz erklärt, dass i h m j e d e antisemitische Gesinnung fern sei. Ueber Gesinnung zu richten, sind wir nicht da und ich muss gestehen, ich erachte einen Wandel der Gesinnung im politischen Leben nicht für schimpflich. Anders denkt die Jugend, anders der Mann, anders das Alter. Es macht jeder Mensch Wandlungen mit und es ist unmöglich, dass der Greis ebenso denkt wie die Jugend. Ich selbst war jung und habe mit voller riegeist er ung, mit einem Rifer, der der deutschen Jugend von heute nicht mehr eigen ist (Oho-Rufe) für die deutsche Sache gekämpft. Ich habe nicht geschrieen, 7ich habe gearbeitet und meinen Mann gestellt. Mit d e r Z e i t, mit den Verhältnissen und der Art und Weise, wie man mit mir und meinen Stammesgenossen umgesprungen ist, ist mir jede Arbeitsfreudigkeit abhanden gekommen und ich denke nunmehr in diesen Angelegenheiten viel kühler. Wenn also die Stimmen l*