Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 10 (10.1906)
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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in Rechnung gezogen werden : Die Anzahl der jüdischen Wähler im Gödinger Wahlkreise beträgt etwa 48 Prozent der Wählerschaft. Die nationale Katastiierung ergab jedoch ein für die Judei ungünstiges Verhältnis, da die jüdischen Wähler in Hradisch, H dleschau, Kremsier, Gaya etc. aus Gründen der Localpolitik ihre Eintragung in den tschechischen Kataster geschehen lassen mussten. Hiedurch wurde der Einfluss der jüdischen Wählerschaft und somit auch die Chance eines jüdischen Kandidaten vermindert. Da nun einerseits der urspiünglich in Aussicht genommene jüdische Kandidat, Herr Fritz Redlich in Göding, infolge geschäftlicher Ueberbürdimg seine Bewerbung zugunsten seines Bruders, des Professors Dr. Josef Redlich zurückzog, dieser Letztere aber in den beiden grössten Städten des Wahlkreises, Göding und Mistek. lebhaften Anklang fand, erschien es dem Exekutivkomitee zweckmässig, von der Aufstellung eines jüdischen Gegenkandidaten im Gödinger Wahlkreise abzusehen, zumal Herr Dr. Josef Redlich als ein Mann von umfassender Bildung und radikal fortschrittlicher Gesinnung bekannt ist. Wir können daher unseren mährischen Glaubensgenossen nur empfehlen, bei den bevorstehenden Landtags wählen sich strenge an dieBesc hl üssedesjü (tischen Exekutivkomitees zu halten und ihre Stimmen im Sinne dieser Beschlüsse abzugeben. Wir empfehlen dies umsomehr, als die Vorgänge im fünften Wahlkreise der allgemeinen Kurie den jüdischen Wählern die grösste Vorsicht und Einigkeit zur Pflicht machen. Um das Mandat dieses Wahlkreises bewirbt sich neben dem sozialdemokratischen Kandidaten Dr. C z e c h auch der Freialldeutsche Advokat Dr. Wilhelm Fr eisler aus Neutitschein Seine Kandidatur wurde in einer Vertrauensmänner-Versammlung zu Zauchtl auf Grund der daselbst von Dr. Freister in der Judenfrage abgegebenen Erklärungen auch von den jüdischen Delegierten gebilligt. Bei einer am 10. Oktober in Mährisch-Ostrau stattgefundenen Wählerversammlung verlas nun Di-. Freister über die Judenfrage folgende Erklärung: „Die Leiter der alldeutschen Partei in Mähren wissen sehr gut die schwierigen Verhältnisse der Deutschen in Mähren zu würdigen, sie wissen, dass die Juden zum grössten Teile und oft mit grossen persönlichen Opfern amDeutschtum festgehalten und ihr Schulwesen deutsch organisiert haben. Wir haben gerade den antisemitischen Teil unser esProgrammes liier niemals in den Vordergrund gestellt, können aber doch deswegen nicht gleich wieder eine radikal deutsche Partei gründen, die mit Rücksicht