Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 10 (10.1906)
- Date
- 1906-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschrift der 0 esterreichisch - Israelitischen Union. Nr. 10. Wien, Mitte Oktober 1906. 18. Jahrgang Die mährischen Landtagswahien. Wir wollen kühl und nüchtern über gewisse Erscheinungen sprechen, welche der Kampf um die Landtagswahlen in Mähren gezeitigt hat. Zur klaren Beurteilung dieser Erscheinungen muss vorweg daran erinnert werden, dass infolge der nationalen Katastrierung und der genauen Fixierung der deutschen und tschechischen Wahlbezirke eine Beeinträchtigung des deutschen oder tschechischen Besitzstandes nicht mehr möglich ist und dass der Kampf innerhalb der einzelnen Wahlbezirke nicht mehr um nationale, sondern nur noch um politische Grundsätze geführt wird. Im Frühjahre hat bekanntlich die „Oesterreichisch-Israelitische Union" eine Versammlung von Delegierten der Kultus- und politischen Israelitengemeinden Mährens nach Brünn einberufen, welche auf Grund der Vorschläge unseres Referenten sich in jenen drei deutschen Wahlbezirken, in welchen die Juden einen beträchtlichen Prozentsatz der gesammten Wählerschaft bilden, für die Befolgung einer jüdischen Interessenpolitik ausgesprochen und ein Exekutivkomitee mit der Fortführung der von der „Union" eingeleiteten Aktion betraut hat. Dieses Komitee hielt am 9. Oktober eine Konferenz ab, in welcher für den Gödinger Wahlkreis die Kandidatur des Wiener Universitätsprofessors Dr. Josef Redlich, eines gebornen, aber zum Protestantismus übergetretenen Juden, für den Mährisch-Weisskirchener Wahlbezirk die Kandidatur des jüdischen Advokaten Dr. Alfred Fi sc hl aus Brünn aufgestellt wurde. Für den Wahlkreis Auspitz ist bisher noch keine Kandidatur offiziell erfolgt, das Exekutivkomitee behielt sich daher diesbezüglich seine Stellungnahme noch vor. Ferner wurde für die Wahlen der Handelskammern Olmütz und Brünn die Bewerbung der jüdischen Kandidaten Siegmund Zweig und Dr. Hieronymus F i a 11 a in Aussicht genommen. Man kann sich mit diesen Beschlüssen vollkommen einverstanden erklären, wenn auch die Aufstellung des Konvertiten Dr. Redlich beim ersten Blicke nicht ganz den von uns und dem Exekutivkomitee aufgestellten Grundsätzen entspricht. Zur Erklärung dieser Kandidatur müssen jedoch folgende Verhältnisse 1