Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 8/9 (August/September 1906)
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 36 (sequence 36)
- Language
- German
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36 jüdischen Mandate iu Galizien diesea; Abgeordneten mitgeteilt, dass sie seinem Wunsche entsprec end in der zweiten Hälfte des Monats September eine Versammlung der Delegierten aller grösseren israelitischen Kultusgemeinden Galiziens nach Lemberg einberufen werde. In dieser Versammlung sollen nach dem Vorschlag des Abgeordneten Dr. Seinfeld die auf die Sicherung der jüdischen Mandate in Galizien gerichteten Wünsche formuliert und ein Komitee gewählt werden, dem die Aufgabe zufallen wird, mit dem Pölenklub die Verhandlungen zu führen. Zu dieser Versammlung werden auch die jüdischen Mitglieder des Polenklubs, sowie des galizischen Landtages eingeladen werden. — Bei der am 14. d. M. stattgefundenen Reichsrats-Ersatzwahl im Städtewahlbezirke Brody-Zloczow wurde der Zloczower Arzt Dr. Gold mit 885 Stimmen gewählt Der zionistische Gegenkandidat Adolf Stand erhielt die bedeutende Minorität von 454 Stimmen. Budapest- (Die Lage der Juden in Ungarn.) Die derzeitige Lage der Juden in Ungarn scheint eine nicht unbedenkliche und die politische Situation infolge der Etablierung der Koalitionsregierung nicht ohne Gefahr. Emen wichtigen Bestandteil der Koalition bildet bekanntlich die antisemitische Volkspartei, und iu Oesterreich hat man die Erfahrung gemacht, dass bei einer solchen Bundesgenossenschaft mit antisemitischen Elementen nach und nach die übrigen Parteien antisemitisch verseucht werden. Nicht die fortschrittlichen Elemente beeinflussen die Antisemiten, sondern umgekehrt jene werden infiziert. Die Krankheit ist ansteckend, niemals aber die Gesundheit. Das zeigte sich auch bei dem jüngsten Wahlkampf im VIII. Budapester Wahlbezirk zwischen Barabas und Eötvös. Wiewohl Barabas niemals zur antisemitischen Partei gezählt wurde und er jeden Verdacht des Antisemitismus zweifellos, mit Recht entschieden ablehnen wird, wurde dennoch der Wahlkampf mit antisemitischen Waffen geführt '.-nd die antisemitische Idee hat den ganzen Wahlkampf beherrscht. Die Agitation entwickelte sich nach bewährten antisemitischen Vorbildern, Die Wähler des Karl Eötvös, gleichviel ob Juden oder Nichtjuden, wurden auf offener Strasse mit antisemitischen Beschimpfungen insultiert, wie „Nieder mit dem Verteidiger der Juden!" „Abzug Tisza-Eszla?!" „Hinweg mitdemVertreter der Schächter!" Als der demokratische Abgeordnete Dr. Ernst Brody in einer Wählerversammlung die Wahl des Karl Eötvös empfahl, ertönten plötzlich die Rufe: „Eine Judenschule ist das!" „Nieder mit denJudenhunden!" Nieder mit Eötvös!" „Eljen Barabas!" Derjenige aber, der diese Rufe ausstiess, war ein Polizist. Selbstverständlich haben diese Vorgänge in Kreisen jüdischer Wähler ungeheure Verbitterung hervorgerufen und diese Wählermassen für den Kandidaten Karl Eötvös entflammt. In der Tat wurde Eötvös mit 3518 Stimmen gegen 2562, welche auf Bela Barabas entfielen, gewählt. Die Wahlvorgänge zeigen jedenfalls, welche Leidenschaften im Hintergrunde der Volksseele schlummern, und unsere Stammesgenossen werden gut tun, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. München. (Rechtsanwalt Justizrat Julius Feust) ist nach längerer, schwerer Krankheit am 17. Juli verschieden. Julius Feust, einer alten, angesehenen bayerischen Juristenfamilie entstammend, war geboren am 28. April 1853 in Fürth in Bayern als Sohn des Kgl. Advokaten Dr. Karl Feust und bestand im Jahre 1878 den juristischen Staatskonkurs mit vorzüglichem Erfolge. Am 1 Oktober 1879 Hess er sich als Rechtsanwalt in München nieder. Seine ausgezeichneten juristischen Kenntnisse, verbunden mit einem aussergewöhnlich praktischen Verständnisse, verschafften ihm in kurzer Zait eine über ganz Deutsehland ausgebreitete Klientel. Im Eifer über die ihm anvertrauten Interessen identifizierte er sich geradezu persönlich mit seiner Klientel. Bekannt ist es, dass er armen Parteien, ohne als Pflichtanwalt autgestellt zu sein, gerne seine unentgeltliche Hilfe zur Verfügung stellte. Eingeweihte wissen auch, in welch hingebender Weise der Verstorbene den verschiedensten philanthropischen und gemeinnützigen Bestrebungen jeder Art