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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-08-01 · 8/9 (August/September 1906) · p. Seite 37

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
8/9 (August/September 1906)
Date
1906-08-01
Page
Seite 37 (sequence 37)
Language
German
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37 unter Hintansetzung persönlicher Küeksichten und unter Aufwendung grosser finanzieller Opfer diente. Dem Rechtsschutzbureau der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" hat er jahrelang in selbstlosester Weise unschätzbare Dienste geleistet. Dabei war er für seine Person von allergrösster Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit. In Richter- und Kollegenkreisen war Feust als ausgezeichnete juristische Kraft geschätzt und in den weitesten Bevölkerungskreisen als solche bekannt. Seine Verdienste wurden auch durch die am 1. Jänner 1904 erfolgte Ernennung zum Justizrat von höchster Stelle anerkannt. Julius Feust war, worauf er grosses Gewicht legte, der Enkel des im Jahre 1802 in Bamberg verstorbenen Oberlandesrabbiners Samuel Faist-Frensdorf, des letzten Rabbiners im Fürstbistum Bamberg mit eigener jüdischer Gerichtsbarkeit. JNicht unerwähnt darf bleiben, dass der Verstorbene für alle jüdischen Interessen ein warmes Herz lind eine oifene Hand hatte und dass wohl kein Münchener Verein, welcher jüdischen Interessen diente, vorhanden war, dem er nicht als tatkräftiges Mitglied angehörte. Berlin. (Die Gesamtzahl der Juden auf der Erde.) In der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" veröffentlicht Dr. Arthur Ruppin eine eingehende Abhandlung über Zahl und Verbreitung der Juden auf Erden. Erst seit wenigen Jahren ist es möglich geworden, den früheren sehr weit auseinandergehenden Schätzungen einigermassen sichere statistische Angaben gegenüberzustellen. Man kann nunmehr mit einiger Sicherheit behaupten, dass auf der ganzen Erde gegenwärtig 11 Millionen Juden leben. Von diesen entfallen weitaus die meisten auf Europa, wo beinahe 9 Millionen Juden leben. Hiervon kommen mehr als 5 Millionen auf das europäische Russland. An zweiter Stelle erscheint Oesterreich-Ungarn mit rund 2 Millionen Juden, von denen 174 Million auf Oesterreich und der Rest auf Ungarn entfällt. Hierauf folgen Deutschland mit nicht ganz 600.000, Rumänien mit etwa 270.000, Grossbritannien mit etwa 300 000, die europäische Türkei mit etwa 200.000, die Niederlande und Frankreich mit je 100.000, Italien mit etwa 40.000. In Amerika leben etwa Vj2 Millionen Juden, von denen die meisten in den Vereinigten Staaten angesiedelt sind. Asien zählt nicht mehr als etwa V2 Million Juden, von denen mehr als 100.000 auf das asiatische Russland, etwa 80.000 auf Syrien und Palästina und ebensoviel auf Kleinasien, ferner etwa 60.000 auf Mesopotamien, ungefähr 50.000 auf Persien und 35.000 auf Arabien kommen. In Afrika werden etwa 350.000 Juden gezählt, von denen beinahe ein Drittel auf Marokko, 70.000 auf Algier, etwas über 60.000 auf Tunis kommen. In Südafrika, namentlich im Kapland und in Jobannesburg, leben etwa 50.000 Juden, in Australien dagegen nicht ganz 20.000 Juden. St Petersburg. Der Dumaabgeordnete Graf Tycshkewitsch hat in |der Zeitung „Retseh" einen Artikel veröffentlicht, in dem er sich folgendermassen für die Gleichstellung der Juden in Russland mit den übrigen Staatsbürgern ausspricht: „Seit Jahrhunderten leben die Juden in Polen, seit Jahrhunderten besteht zwischen ihnen und der örtlichen Bevölkerung der Wirtschaftskampf, in welchem einzelne den Grund des Zwiespalts zwischen Russen uud Juden sehen wollen. Dessenungeachtet hat Polen nie Judenhetzen gekannt. Ja, es lässt sich noch mehr sagen : In Polen gibt es „Polen jüdischen Glaubens", also Juden, die Polen so sehr als ihr Vaterland betrachten, dass sie sich in den Freiheitskämpfen ebenso wie die Vertreter der echt polnischen Familien opferten. Womit lässt sich dieses friedliche Zusammenleben von Polen und Juden erklären? Doch nicht etwa dadurch, dass beide seit 70 Jahren in gleicher Weise geknechtet werden? Allein auch zu den Zeiten, wo Polen noch unabhängig war, kam es zu keinen solchen Vorgängen, dass eine Bevölkerungsklasse gegen die andere gehatzt wurde. Man erhebt in der Bialystoker Affaire den Vorwurf, dass die jüdischen politischen Organisationen sich verteidigt und zusammengeschlossen hätten, aber tun das nicht auch die christliehen Organisationen in den Ostseeprovinzen oder anderen Teilen des Reiches? Beim Juden erscheint dieses Zusammenschliessen seiner rechtlosen Lage wegen als schon eine ungeheure Dreistigkeit, fast als ein Verbrechen. Darin

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