Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 8/9 (August/September 1906)
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 35 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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35 erteilte der Vorsitzende in Verfolgung der Tagesordnung dem Vertreter der dänischen Juden Herrn Dr. Frankel aus Kopenhagen das Wort, der dänisch und deutsch ausführte, dass Dänemark, das kleinste Land, seine Sympathie mit den Unglücklichen am besten zum Ausdruck bringe, dadurch, dass es die Flüchtlinge als vollwertige Bürger aufnehme. Lebhafter Beifall lohnte den Sprecher. In russischer Sprache referierte über die Ursachen der Pogroms Rechtsanwalt Antik aus Astrachan, der insbesondere bei seinen engeren Laudesgenossen reichen Beifall fand; die anwesende Schriftstellerin Rotenstern-Tesi besorgte die deutsche Wiedergabe. Zu dem dritten Referate erhielt nun Schriftsteller B rainin das Wort, der in jüdischer Sprache (Jargon) über das Thema: „Was lehrt uns Bialystok?" sprach. Seine Ausführungen gipfelten darin, dass nur die im jüdischen Volksbewusstsein erzogene Jugend die Hoffnung des jüdischen Volkes sein könne. Mit einigen kräftigen Schlussworten des Vorsitzenden schloss die erhebende Versammlung. TeSChen. Bei seinem jüngsten Aufenthalte in Teschen hat der Kaiser auch unserer Synagoge einen Besuch abgestattet. Beim Verlassen des Wagens begrüsste der Vorsteher der Kultusgemeinde, Herr G 1 e s i n g e r, den Monarchen. Der Rabbiner sprach den rituellen Segensspiuch, worauf sich der Kaiser, geleitet von dem Vorsteher, dem Rabbiner und den vier Mitgliedern des Kultusvorstandes, zum Tempel begab. Auf dem Mittelpodest überreichte ein Mädchen aus dem von jungen Damen gebildeten Spalier einen Blumenstrauss, den der Kaiser dankend entgegennahm. Am Portal erwarteten die übrigen Mitglieder des Kultusausschusses den Monarchen, welcher zur Estrade geleitet wurde, auf der ein Fauteuil tür den Kaiser bereitstand. Der Rabbiner trat nunmehr vor die Bundeslade und hielt folgende huldigende Ansprache an den Monarchen : „Eure k. und k. Apostolische Majestät! Allergnädigster Herr und Kaiser 5 Wohin immer die Kunde von dero Allerhöchstem Besuche unseres Gotteshauses zu den Ohren meiner Glaubensbrüder in diesem unserem herrlichen Vaterlande dringt, überall werden freudige Dankesgefühle sich regen und ich, ein Knecht meiner Religion, bin nur das schwache Sprachrohr der Segnungen all dieser Hunderttausende. In deren aller Namen lege ich, gemäss den Geboten unseres Glaubens (Pr. XXIV., 21), die Gelübde unserer begeisterten Liebe und nie wankenden Treue für Eure Majestät und das ruhmreiche Kaiserhaus an die Stufen des Allerhöchsten Thrones in diesen heiligen Räumen, wo wir bei jedem gegebenen Anlasse für Allerhöchst dero Wohl und Glück beten. Und muss ich es nicht heute besonders, wo wir zum zweitenmal während Eurer Majestät glorreichen Regierung den gnädigen Beweis ei halten, dass Eure k. und k. Apostolische Majestät auch unsere Religion als vollwertiges, von Gott bestimmtes, sittliches Erziehungsmittel würdigt, auch über uns in gleicher Weise wie über alle anderen Allerhöchst Seine Liebesgaben ausstreut, deren wir uns würdig zeigen wollen, wie immer seit jener Zeit, da uns durch Eure Majestät Wille das Feld rühmlicher Betätigung im Kriege wie im Frieden erschlossen worden ist. Und darum flehe ich jetzt mit der Segnung: 0 Weltenlenker, mögen die Worte, die ich zu dir emporsende, sich erfüllen! Gewähre die Wünsche, die das edle Herz unseres allergnädigsten Landesvaters bewegen, denn sie enthalten Tugend, Recht und Frieden, Leben, ungezählte Jahre verlangen wir für ihn, o gib es, damit er, der Fels und Hort seiner Völker, der Schutz und die Wehr seiner Länder, seines erhabenen Herrscheramtes mit Jugendkraft walten möge für und für, Amen." — Mit einem vor geöffneter Bundeslade gesprochenen Gebete schlossder Rabbiner, worauf der Kaiser unter den Klängen der vom Tempel chor intonierten Volkshymne das Gotteshaus verliess, in welchem eine Gedenklafel an den dem Tempel vom Kaiser vor sechzehn Jahren abgestatteten Besuch erinnert. Der Kaiser sprach dem Kultusvorsteher und dem Rabbiner beim Veilassen des Gotteshauses seinen Dank für den schönen Empfang aus. Lemberg. (Die jüdischen Mandate in Galizien.) Pas Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde hat in Beantwortung einer Zuschrift des Abgeordneten Dr. Seinfeld betreffend die Sicherung der S*