Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 8/9 (August/September 1906)
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9756662-9603423-9603634--1510-9603667- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
33 und Syriens wird genügend Aufenthalt genommen werden, um alle Sehenswürdigkeiten unter Leitung sprach- und ortskundiger Führer kennen zu lernen. Die Verpflegung steht während der ganzen Reise unter streng ritueller Aufsieh!;. Der Teilnehmerpreis beträgt per Person ab Wien K 547.—, ab Budapest K 530.—. Im Teilnahmepreis sind Logis und vollständige rituelle Verpflegung während der ganzen Dauer der Reise inbegriffen. Anmeldungen für diese Reise sind an den zionistischen Zentralverein, Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9 zu richten, ebendahin sind gleichzeitig als sicherstellende Anzahlung 150 Kronen einzusenden. Der Restbetrag ist bis 10. Oktober 1. J. zu entrichten, worauf der Mitreisende die Teilnehmerlegitimation erhält. Wian. (Die Judenverfolgungen inRussland.) Das Präsidium der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und jenes der israelitischen Allianz zu Wien haben am 22. Juli an den Minister des Aeussern Grafen G o 1 uc h o w s k i eine Eingabe gerichtet, in welcher angesichts der erschütternden Nachrichten über die Judenmassakres in Russland die Bitte erhoben wird, die österreichische Regierung möge im Verein mit anderen Mächten bei der russischen Regierung intervenieren, damit den Greueltaten gegen die Juden ein Ende gemacht werde. Franzensbad. Die „Egerer Zeitung" schreibt: „Unter dem Titel „Alte Leiden in neuen Zeiten" fand Sonntag den 22. Juli im grossen Kursaale ein Vortrag statt, zu welchem die als gediegene Redner bekannten Herren Siegfried Fleischer, Schriftsteller aus Wien, und Dr. Euiil Marguli es aus Teplitz, als Referenten erschienen waren. Der grosse Kursaal erwies sich bald als zu klein; bereits vor Beginn des Vortrages war er bis aufs letzte Plätzchen gefüllt, so dass viele Leute stehen, viele aber überhaupt wieder umkehren mussfen. Unter dem Publikum, welches sich zumeist aus Russen rekrutierte, war zufolge der kurz vorher eingetroffenen Telegramme von der Duma-Auflösung eine gewisse Spannung bemerkbar. Nach einer kurzen Begiüssung erteilte der Obmann des Vereines „Ahawath Zion", der den Vorsitz führte, Herrn Siegfried Fleischer das Wort zu seinem Referate. Der Redner hatte sein Augenmerk in erster Linie auf die jüngsten Vorgänge in Bialystok gerichtet, wo eich vor kurzem mittelalterlich grässliche Menschenmorde, zum Zwecke einer ruchlosen Politik, zum ewigen Schandfleck der russischen Nation abspielten. Denn das sind die alten Leiden in neuen Zeiten, dass die Juden recht- und wehrlos einer unmenschlichen Barbarei, einem zweiten Kaiser Nero, preisgegeben sind. Der Redner las einige Stellen aus dem Berichte der Duma- Delegierten vor, welcher die ganze Abscheulichkeit in ihrer nackten Wahrheit darstellte. Abermals war unter dem Vorwande, die Juden hätten das Pogrom heraufbeschworen, im Auftrage der Regierung eine wochenlang vorbereitete, von Militär und Polizei organisierte Menschenjagd veranstaltet worden. Die Duma-Delegierten haben auch zur ewigen Schmach der russischen Regierung nachgewiesen, dass ein Helfershelfer der Polizei den Schuss auf die Prozession abgegeben hat, dass das Militär einfach jeden Juden, der sich auf der Strasse zeigte, niederschoss wie einen tollen Hund und dass Polizei und Militär gemeinsam an den Plünderungen teilnahmen. Aber nicht nur die russische Regierung klagte der Redner an, sondern auch alle diejenigen, die Russland durch Zustandebringen der letzten Anleihe unterstützten. Mit Entrüstung konstatierte er, dass sich darunter leider auch Juden befanden, die sich so schmählich in den Dienst der russischen Sache stellten. Das Publikum gab seinen Unwillen durch Pfui-Rufe lebhaften Ausdruck. Zum Schlüsse führte der Reiner aus, dass die russische Regierang den Einwand mache, die Juden seien Revolutionäre. Wenn man aber bedenkt, unter welcher Bedrückung,, unter welcher Entrechtung die Juden in Russland leben; wenn man ferner bedenkt, dass die Regierung selbst die entsetzlichen Judenmorde inszeniert, dann muss man zugeben, dass die früher kaisertreuen Untertanen zu Revolutionäre werden müssen! Das Schlusswort ist ein Mahnwort an die Juden aller Länder, stets gerüstet zu sein, denn nicht nur in Russland allein, nein auch in den anderen Ländern haben die Juden nur halbe Rechte, und niemand 3