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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-08-01 · 8/9 (August/September 1906) · p. Seite 28

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
8/9 (August/September 1906)
Date
1906-08-01
Page
Seite 28 (sequence 28)
Language
German
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28 Vor zwei Jahren erhielten sie von einem ihrer Verwandten namens Riemer in Tarnow die Nachricht, man wolle ihn zum Vormund eines zwölfjährigen Knaben Josef Riemer, der sich in der Fürst 0 g i n s k i'schen Kinderbewahranstalt in B o b r e k bei Chrzanow befindet, bestellen, und da stellte es sich heraus, dass dies eben xlas Kind der Eheleute Nichtern-Riemer ist In der Anstalt wollte man das Kind der Mutter nicht ausfolgen, worauf die Eltern dem Krakauer Advokaten Dr. Rafael Landau mit der Rechtsvertretung betrauten. Derselbe veranlasste zuerst die Eheleute, die gesetzliche Ehe einzugehen, worauf er vom Bezirksgerichte Podgorze die zwangsweise Abnahme und Zurückstellung des Kindes an die Eltern verlangte. Unser Rechtsschutzbureau veranlasste bei der niederösterreichischen Statthalterei die Legitimierung des Kindes und die Ausfertigung eines Geburtsscheines auf den Namen Josef Nichtern, worauf das Bezirksgericht in Podgorze den Auftrag ausfertigte, dem Vater das Kind auszufolgen. Als nun Berl Nichtern am 2. September d. J. in der Bobreker Anstalt erschien, wurde ihm unter allerlei Vorwänden die Herausgabe des Kindes verweigert. Wir richteten nun sofort eine dringende Eingabe an das Justizministerium mit der Bitte, das Bezirksgericht Podgorze telegraphisch anzuweisen, ohne Verzug die zwangsweise Abnahme des Kindes durchzuführen. Das geschah, und am 11. d. M. erschien eine Gerichtskommission in der Anstalt, welche den Josef Riemer zwangsweise übernahm und den Eltern ausfolgte. Wie der Knabe erzählt, befinden sich viele jüdische Kinder in der Anstalt, die gesetzwidrig in der christlichen Religion erzogen und [nach erreichtem 14. Lebensjahre getauft werden. Sistierte Ausschreibung einer Oherlebrerstelle, Die Ausschreibung der Oberlehrerstelle an der Volksschule Werdertorgasse 6 erregte bekanntlich vor kurzem lebhaftes Befremden, weil die Ausschreibung für katholische Bewerber ei folgte, obwohl die Majorität der Schüler dieser Anstalt der israelitischen Konfession angehört. Die seltsame Berechnung der Schülermajorität hat Abg. Dr. Ofner auch zum Gegenstande einer Interpellation im Reichsrate gemacht. Infolge einer Beschwerde der israelitischen Kultusgemeinde hat der niederösterreichiFche Landesschulrat nunmehr die S i s t i e r u n g der Ausschreibung angeordnet. Ausschreitungen gegen Juden, Am 4. d. M. kam es in Wrschowitz bei Prag zu grossen, gegen die Juden gerichteten Exzessen. Zwei Arbeiterinnen waren miteinander in Streit geraten. Der Hausbesitzer Weinstein

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