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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-08-01 · 8/9 (August/September 1906) · p. Seite 13

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
8/9 (August/September 1906)
Date
1906-08-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 auf der Kriegsakademie. . . . I Wehe dem Juden, der unter Anrufung der gemeinsamen Rechte und Pflichten seinen Dienst im Generalstab dazu benützen möchte, um seine Fachkenntnisse und militärische Brauchbarkeit zu vermehren! Er macht sich damit verdächtig. . . . Der Argwohn eines möglichen Verrates heftet sich in diesem Kreise unüberwindlich an jeden jüdischen Offizier. . . . Die Dreyfus-Affaire war tatsächlich nicht der Prozess eines Individuums, sie war der Prozess des jüdischen Offiziers, sie war die Anwendung des antisemitischen Glaubensbekenntnisses auf das Gerichtsverfahren. Und das ist es, was das Gewissen der Menschheit in dieser Affaire aufgeregt und empört hat." So Maitre Mornard. Was er sagt, passt Wort für Wort auf den Fall Hilsner. Es war kein Prozess des armseligen böhmischen Dorflumpei], es war der Prozess des Judentums. Im Urteil wird es wohl nicht ausgesprochen, aber das ganze Verfahren drückte es klar aus: Hilsner wurde beschuldigt und verurteilt, gemordet zu haben, um sich oder vielmehr unbekannt gebliebenen Auftraggebern Christenblut zu Kultuszwecken zu verschaffen. Was der Antisemitismus in Ungarn und Preussen, in den Fällen Tisza- Eszlar, Xanten und Könitz vergebens versucht hat, das ist ihm in Kuttenberg und Pisek zweimal gelungen: die Feststellung in den Formen Rechtens, fast ein halbes Jahrtausend nach dem Falle des heiligen Knaben Simon von Trieht, dass die Juden eine Glaubensgemeinschaft von Meuchelmördern und Kannibalen sind. Alle grossen Linien der Fälle Dreyfus und Hilsner sind gleichlaufend. Hier wie dort liegt ein Verbrechen tatsächlich vor: dort ein Landesverrat, hier ein Mädchenmord. Hier wie dort fällt der Verdacht der Täterschaft auf einen Juden: dort, weil er der einzige jüdische Offizier des Generalstabs ist und seine Schrift eine entfernte Aehnlichkeit mit der des Hauptbeweisstückes hat, hier, weil sich im Dorfe Polna ein jüdischer Tagedieb herumtreibt, dem man schlechte Streiche zutraut. Hier wie dort bemächtigt der Antisemitismus sich sofort des Falles mit äusserster Energie, um ihn zur Förderung seiner Zwecke zu verwerten. Auch diese Zwecke sind im Grunde die nämlichen : in Frankreich gilt es die Klerikalisierung des Heeres, der Verwaltung und Rechtspflege, die Wiederaufrichtung des Königsthrones, die feste Begründung der Kirchengewalt und die Vernichtung aller Errungenschaften der grossen Revolution; in Oesterreich braucht keine Regierungsform geändert, Heer und Verwaltung nicht erst erobert zu werden; aber auch hier ist der Antisemitismus das wirksamste, das allein wirksame Mittel des Klerikalismus zur Gewinnung der Massen für die Heeresfolge im Feldzuge gegen Bildung, Aufklärung, Fortschritt, Befreiung der Persönlichkeit, Volkssouveränität, gegen alle Gedanken und Strebungen der Zeit, die den Feudalismus, den Absolutismus und die Herrschaft der Kirche bedrohen. Hier wie dort nimmt von allem Anbeginne die antisemitische

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