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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-08-01 · 8/9 (August/September 1906) · p. Seite 10

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
8/9 (August/September 1906)
Date
1906-08-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 tief hineinleuchten würde in die geheimsten Werkstätten des Klerikalismus und in die tiefsten Abgründe der Korruption, das müsste für ihn eher ein Antrieb als ein Hindernis sein, sich in die Polnaer Angelegenheit zu vertiefen. * # * Am 29. Juli 1. J. veröffentlichte die „Neue Freie Presse" den folgenden Leitartikel: Gehet hin und tuet desgleichen..... Von Max Nordau, Paris, 26. Juli. Mit Eecht sprach der Vorsitzende Brisson in der geschichtlichen Kammersitzung vom 13. Juli von „dem Triumphe der Gerechtigkeit, der Frankreich seit zwei Tagen die jubelnden Zurufe der Welt einbringt". Die jubelnden Zurufe drangen aus allen Windrichtungen und in allen Sprachen der Welt nach Paris. Hisstöne mischten sich kaum in das Aufjauchzen einmütiger Begeisterung. Denn die Zuhälter der Verbiecher, deren Stirn der weissglühende Richterspruch des Kassationshofes gebrandmarkt hatte, zogen meist ein tückisches Verstummen dem gewohnten Gekläffe vor, das in diesem Augenblicke bedenklich gewesen wäre. Auch in Oesterreich feierte die öffentliche Meinung den Sieg der Wahrheit, auch in Oesterreich beglückwünschte sie Frankreich zu seinem herrlichen Idealismus, zu seiner charaktervollen Ausdauer in der Verteidigung der guten Sache, zu den grossartigen Tugenden, die seine Helden und Dulder in dem zehnjährigen Verzweiflungskampfe mit den Gewalten der Hölle täglich und stündlich enthüllten. Ich las die österreichischen Kundgebungen besonders gierig. Ich hastete über die schwungvollen Lobsprüche, über die hochgestimmten Betrachtungen und die schwärmerischen Gedankenflüge eines allgemeinen menschheitlichen Optimismus hinweg, zum Ende der Ausführungen. Ich erwartete, dass sie zu einem bestimmten Schlüsse führen würden, der sich ihnen von selbst aufdrängen musste. Aber sie klangen nicht natürlich aus. Sie hielten verlegen inne. Es fehlte die Folgerung, in der sie notwendig gipfeln sollten, wenn sie aufrichtig waren. Und in meiner Enttäuschung kann ich den Vorwurf nicht unterdrücken: „Und Hilsner?" Denn Oesterreich hat gleichfalls seinen Dreyfus. Auch in Oesterreich ist die Gerechtigkeit in eine Fallgrube getaumelt, und wenn sie nicht buchstäblich einen Justizmord begangen hat, so ist dies nicht ihr Verdienst, sondern das des gütigen Herrschers, dessen Gnade nicht zuliess, dass ihr Fehlspruch buchstäblich vollstreckt werde. Hilsner ist dem Galgen entronnen, aber seit sieben Jahren erleidet er die Schmach und Qual des Zuchthauses, und wenn das Urteil, das ihn in Ketten geschlagen

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