Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 8/9 (August/September 1906)
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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b ja wirklich auch jüdische Individuen von grenzenloser Niedertracht. Gesetzt, ein solches Subjekt würde irgendwo, sagen wir in einem mohammedanischen Lande, die Angehörigen einer Religionsgemeinschaft in frecher Verlogenheit verleumden, dass sie Menschenblut zu rituellen Zwecken verwenden, und die Verleumdung würde seinen Volksgenossen noch so grosse, soziale Vorteile in Aussicht stellen, würde sich auf der ganzen Erde kein jüdischer Gesellschaftskreis finden, der fähig wäre, die Arroganz auch nur mit einer Ehrenstelle zu belohnen, die so viel wie Sitz und Stimme im verstärkten Kultusausschusse einer kleinen Religionsgemeinde bedeutet. Ein weiterer Kommentar wäre überflüssig. Fragt man nach dem jüdischen Erbarmen, ist ruhigen Gewissens zu konstatieren, dass die Mitleidsvollen unter den Israeliten noch immer und überall die grosse Regel und die Rohen und Hartherzigen die kleine Ausnahme bilden. Es kommt ihnen auch diesbezüglich die orientalische Phantasie zugute. Sie malt die Schmerzen und Leiden der Menschen und Tiere so lebhaft und tief, dass die Bilder das Gemüt ergreifen. Es liegt uns sehr ferne, -unsere anderen Mitmenschen im Punkte Mitleidsgefühl für minderwertig zu halten. Bei guten Herzen geht es ja auch ohne lebhaftes Vorstellungsvermögen und bei schlechten fruchtet es nicht, dennoch können wir nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass manches, was beiden jüngeren Völkern möglich, in israelitischen Kreisen unmöglich wäre. Wir wählen unter vielen nur ein Beispiel: In Algeciras in Spanien hat vor Monaten eine Konferenz getagt, um eine zwischen Deutschland und Frankreich schwebende, politische Streitfrage zu schlichten. Diplomaten der modernen Kultur- und Unkultur Staaten waren versammelt, um zu beraten, wie bezüglich Marokkos ein beiden Teilen genehmes, friedliches Uebereinkommen zu erzielen wäre. Solche Herren verdienen gewiss, dass man die ihnen gebührende Wertschätzung recht augenfällig bekunde. Auf welche Art ist das geschehen? Man hat zu Ehren der Konferenz ein Stiergefecht veranstaltet. Sechs schöne Stiere wurden auf Menschen und Pferde gehetzt, während und nachdem sie einer Anzahl von Pferden die Hörner in den Leib gebohrt und den Bauch aufgeschlitzt und unter dem Jubel einer vieltausendköpfigen Menge den Rissen und Stichen ebenso flinker wie grausamer Männer unter langsamen, höllischen Qualen erlagen. Von der Torheit, die in der Veranstaltung gelegen, wollen wir absehen. Es haben ja auch die ehrsamen Bürger von Krähwinkel ihrem. Fürsten eine grosse Ehrung vermeint, als sie ihn, anstatt durch einen wirklichen Triumphbogen, durch einen in der Eile mit Blumen bekränzten Galgen unter Musikbegleitung hindurchgeführt, Warum hat man aber die zugedachte Ehrung: nicht rechtzeitig sich zu verbieten beliebt?