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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-08-01 · 8/9 (August/September 1906) · p. Seite 4

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
8/9 (August/September 1906)
Date
1906-08-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 welcher Gott fürchtet" (Berachot 8 a). Mit Recht sagt er deshalb in Bezug auf die Juden, welche er ein „arbeitsames und erwerbslustiges Volk" nennt, „unter dem noch heute die geringste Zahl von Bettlern ist" folgende Worte: „In der Hochschätzung der Wissenschaft und der Arbeit liegt im jüdischen Charakter eine gewisse Aehnlichkeit mit dem deutsche n." Wenn schon dem geradezu feindlichen Philosophen Bileam (Philosoph wird er im Midrasch Bereschith Rabbah Pag. 65, Mitte, genannt), der dem Rufe Balaks, Israel zu verfluchen, nachgekommen war, die Auszeichnung zu teil wurde, dass mit seinem das israelitische Volk verherrlichenden Ausspruche: „Wie schön sind deine Zelte Jakob, deine Wohnungen Israel!" die Andacht in der Synagoge beginnt, so werden wir dem Philosophen Eduard von Hartmann, der sich nicht immer judenfreundlich zeigte, unsere Anerkennung gewiss nicht versagen. Israelitische Stammestugenden. IL Der tiefgehende Einfluss, den die Furcht vor einem Missbrauch der Sprache auf die Massen des Israelitenvolkes lange Zeit geübt, zeigt deutlich, dass der ethische Geist der Lehre Moses nicht bloss auf Einzelne, sondern in mancher Hinsicht auch auf die Volksseele veredelnd gewirkt hat. Gewisse Elemente der Gesittung, für welche sie besonders empfänglich, haben in ihr am tiefsten Wurzel gefasst und den Charakter von Stammestugenden angenommen. Als solche galten unseren Weisen; reges Schamgefühl, Mitleid und werktätiges Wohlwollen; sie sagen: Drei Zeichen sind an diesem Volke: Seine Angehörigen sind schamhaftig, barmherzig 'und wohltätig. Jeder, an dem die drei Merkmale sind, ist zur Familienverbindung tauglich und jeder, dem sie abgehen, diesbezüglich zu meiden. (Talmud Jebamoth Folio 79.) In Betreff des ersten Zeichens heisst es, unter Bezugnahme auf Exodus K. 20, 17 : „Und damit Furcht vor ihm auf euerem Angesichte sei, damit ihr nicht sündiget." Das lehrt, dass Schamhaftigkeit zur Furcht vor Sünde führt. Von da rührt der Ausspruch : „Es bedeutet ein gutes Zeichen für einen Menschen, dass er schamhaftig ist. Andere sagen: Wer schamhaftig ist, sündigt nicht so leicht, und derjenige, dessen Gesicht kein Schamgefühl zeigt, von dem ist vorauszusetzen, dass seine Vorfahren nicht am Sinai gestanden." (Nedarim 20.) Es ist hier die Befangenheit und Verlegenheit gemeint, die bei einer Bedrohung oder Verletzung der keuschen Gesinnung oder der Achtung vor Gesetz und Sitte eintritt und sich durch ein eigentümliches Spiel der Gesichtsnerven, das gewöhnlich von einem Erröten begleitet ist, zu verraten pflegt.

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