Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 8/9 (August/September 1906)
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 gion, und nicht minder diejenigen Juden, die sich auf solche Stellen stützen wollten, um superstitiöse Handlungen zu rechtfertigen. Ob sich solche Stellen im Talmud nachweisen lassen oder nicht, entzieht sich meiner Nachprüfung; ich meine aber, dass diejenigen unbefangenen Gelehrten, dieesbe streiten, mehr Glauben verdienen, als die antisemitis chen Gelehrten, die es behaupten .... Es gehört mit zu den abergläubischen Neigungen des ungebildeten Volkes, dass es den Mysterien anderer Religionen mit geheimnisvollem Grauen gegenübersteht und in sie das hineinprojiziert, was in der eigenen Seele schlummert, aber sich nicht mehr ans Licht wagt. Wenn Gebildete diese Meinung schüren, um den E e 1 i gi o n's- und Rassenh a s s zu steigern, so übernehmen sie damit eine schwere Verantwortung. Wer solches zu politischen Zwecken mit dem ßewusstsein der Unwahrheit täte, beginge einen Frevel; wer trotz seiner Bildung sich von Hass bis zu fixen Ideen verblenden lässt, kann damit freilich einen Umstand für sich geltend machen, der aber für seine Verantwortlichkeit kaum „mildern d" genannt werden dürfte." Vor den Wahlen zum Deutschen Reichstage im Jahre 1903 Hess Hartmann im „Tag" einen Artikel erscheinen, in welchem es u. a. hiess : „In derdeutschen Judenschaft eine Gefahr für das Deutsche Reich sehen wollen, kann nur ein Gespensterseher u. s. w. Der Antisemitismus trägt Mitschuld an dem Vorrücken des Polentums, weil er die Juden in den polnischen Landesteilen, die die besten Bundesgenossen der Germanisierung waren, teils zur Abwanderung, teils zum Uebergang ins polnische Lager gezwungen hat. Die Judenaustreibungen haben den westeuropäischen Ländern ebensowenig zum Vorteil gereicht, wie die übermässige Tudeneinwanderung den osteuropäischen Ländern." Im Jahre 1905 veröffentlichte der Gelehrte eine bedeutende Schrift, betitelt: „Das Christentum des Neuen Testaments". In derselben weist er mit Rücksicht auf die talmudische Wertschätzung der Weisheit und Gelehrsamkeit ganz richtig auf folgende Talmudsätze hin: „Ein Gelehrter ist grösser als ein Prophet" (Baba bathra 12 a), „Verehre deinen Lehrer mehr als deinen Vater selbst" (Megilla 17 a), „Im Studium der Thora liegt die höchste Tugend" (Peah, Abschnitt 1), Ehret die Söhne der Armen, von ihnen geht die Wissenschaft aus" (Nedarim 81 a). Im Hinblick auf sittliche Bedeutung der Arbeit, die im Talmud so ausserordentlich hervorgehoben wird, macht Hartmann au folgende Aussprüche aufmerksam: „Es ist gut, deinem Studium ein Gewerbe zuzugesellen; so bleibst du von Sünde rein" (Aboth 2, 2), „Der Arbeiter an seinem Werke braucht vor dem grössten Gelehrten nicht aufzustehen" (Kidduschin 33 a), „Grösser ist der, welcher seinen Lebensunterhalt durch Arbeit verdient, als der, 1*