Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 8/9 (August/September 1906)
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 biete geleistet hat, ist hier nicht der Ort zu erwähnen, wohl aber dürfte es viele interessieren, zu erfahren, dass der pessimistische und nicht gerade philosemitische Gelehrte sich vielfach günstig über die Juden und das Judentum airsgesprochen hat. Seine Aeusserungen mögen daher im Folgenden mitgeteilt werden. In seinem bekannten Werke „Das Judentum in Gegenwart und Zukunft" (Berlin 1882) sagt der Philosoph: „Die Bibel und der Talmud lehren uns, dass die Juden, so lange sie eine nationale Kultur besassen, sich auf religiösem, philosophischem und poetischem Gebiete als ein hochbegabter Stamm erwiesen haben." In dem im Jahre 1884 erschienenen Buche über die Judenfrage bekennt v. Hartmann folgendes: „Das deutsche Volk hat allen Grund, sich die Eigenschaften des jüdischen Stammes zum Muster zu nehmen und der Vorsehung dafür dankbar zu sein, dass sie ihm solche Kameraden zur Anspornung seines Wetteifers gegeben. Die Juden sind durch ihre praktischen Tugenden geeignet, den oft unpraktischen Jdealismus der Deutschen zu korrigieren; für praktische Wohltätigkeit sind sie geradezu das klassische Volk; der Genusssucht und Verschwendung gegenüber sind sie mässig und sparsam; der Lässigkeit und dem Leichtsinn gegenüber beobachten sie Ausdauer und Fleiss; Bildung, Gelehrsamkeit und Kunst stehen bei ihnen obenan, auch bei den untersten Schiebten; der Familiensinn beherrscht das ganze Leben des Juden, alle seine Kräfte regt er in ihrem Dienste und mit Aufopferung seiner selbst sorgt er für die Zukunft." Bei Besprechung des Werkes des in Bonn verstorbenen bekannten Rabbiners Dr. Jsac Rulf in Memel „Weltgedanke und Gedankenwelt" rühmt der Gelehrte besonders „die bedeutende Spekulationsanlage von gründlicher Schulung, einen starken Drang zu erschöpfender Systembildung und eine ungewöhnliche Frische und Leichtigkeit der Darstellung." Auf Befragen eines Verlegers bezeichnete v. Hartmann das Alte Testament einschliesslich Apokryphen als eines der 100 besten Bücher. Im Anfange des Jahres 1901 richtete der Herausgeber der Wiener Zeitungskorrespondenz „Der Interwiever" an berühmte europäische Gelehrte eine Rundfrage in betreff ihrer Ansicht über den Ritualmord. Unter den Antworten befindet sich auch diejenige des Philosophen Eduard v. Hartmann. In dem Schreiben vom 25. April 1901 heisst es: „Geist und Gesetzesbuchstabe der jüdischen Religion schliessen jeden Missbrauch von Menschenblut zu kultischen wie zu abergläubischen Zwecken unbedingt aus. Falls sich im Talmud Stellen finden sollten, die sich auf den entgegengesetzten Standpunkt stellen, so befänden sich deren Verfasser im Widerspruch mit dem Geist und Gesetzesbuchstaben der jüdischen Reli-