Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 34 (sequence 34)
- Language
- German
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34 der die Vertreter des Rassenhasses kämpfen, nicht rein sei. Als sich in Wien in jenen Tagen unter Führung Professor Nothnagels der Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus bildete, war Gniewosz unter den Gründern des Vereines. Er gehörte auch dem Kuratorium der Millionenstiftung des Baron Hirsch an, mit deren Hilfe in Galizien Gewerbe- und landwirtschaftliche Schulen für Jaden geschaffen wurden. — Am 25. Juni ist einer der angesehensten und pflichteifrigsten Mitglieder des Abgeordnetenhauses, Dr. Emil Byk, plötzlich gestorben. Dr Byk vertrat im Abgeordnetenhause den Städtebezirk Brody und gehörte zu der liberalen Fraktion des Polenklubs. Er wendete sein Hauptaugenmerk den juristischen Fragen zu und trat zum erstenmal im Jahre 1891 in der Debatte über das Justizbudget politisch in den Vordergrund, indem er eine temperamentvolle Rede gegen den Abg. Schneider hielt, der verlangt hatte, dass kein jüdischer Gerichtsbeamter einem Christen einen Eid abnehmen solle. Dr. Byk erwiderte damals unter anderem: „Nur in einem rohen Gemüte kann sich die Ansicht entwickeln, dass in dem jüdischen Richter keine Pietät, keine Achtung vor dem fremden Glauben vorhanden sei." Dr. Byk war auch Mitglied des Wah^reformausschusses und galt von Anfang an als ein entschiedener Anhänger des allgemeinen, gleichen Stimmrechtes. Ueberhaupt wusste er in allen wichtigen Fragen gegenüber der konservativen Strömung im Polenklub und im Hause den modernen politischen Anschauungen in ebenso konzilianter als entschiedener Form Geltung zu verschaffen. Niemals hatte er einen persönlichen Konflikt, und auch die enragiertesten Antisemiten respektierten seinen unantastbaren, hochachtbaren Charakter. Das gleiche Angehen wie im Abgeordnetenhause genoss er in seiner galizischen Heimat. Er war Advokat in Lemberg, gehörte dem dortigen Gemeinderat als Mitglied an und war seit einer Reihe von Jahren Präsident der Lemberger jüdischen Kultusgemeinde. Er hat auch dem Rechtsschutzbureau der „Oesterreichisch- Israelitisehen Union" sehr wertvolle Dienste geleistet, und sein guter Wille versagte nie, so oft wir an seine Mithilfe zum Schutze bedrängter Glaubensgenossen appellierten. ßablODZ« (Zur K a i s e r r e i s e.) Als das Programm des Empfanges besannt waräe, erregte es allgemein Aufsehen, dass darin die katholische Geistlichkeit von den Vertretern^ der übrigen „Kulte" derart getrennt war, dass oie weistucnen den Vorran? fast am Anfang aller Vorgestellten hatten, während die „Kulte" unter den „Privatpersonen", wenn auch an deren Spitze, verzeichnet erschienen. Gleich am nächsten Tage wurde von dem evangelischen Pfarrer bei der Bezirkshiuptoiaunschaft auf das Ungeeignete dieses Verfahrens hingewiesen, das weder der bisherigen, in der hiesigen Oeffentlichkeit geübten Toleranz, noch den faktischen Verhältnissen entspreche, da eine Fülle dereinflussreichsten und angesehensten öffentlichen Aemter von nichtkatholischen Personen verwaltet werden. Mit der Bemerkung, diese Ordnung sei „usuell" und ausserdem von der kaiserlichen Kabinettskanzlei genehmigt, war diese private Einsprache fruchtl js abgetan. Mittwoch, bei der ersten Probeaufstellung, rangierten denn auch die „Kulte" iu weitester Entfernung von der „hochwürdigen Geistlichkeit"; ebenso Freitag abends bei der zweiten Probeaufstellung. Nur wurden die „Kulte" durch das Vorgehen de3 Bezirkskommissärs bei der VersammUiaj zu solidarischem Vorgehen geradezu gezwungen. Als einer der vier „Kult'-Qei-stlichen in ruhigster Form erklärte, falls er Sonntags genötigt würde, in zweiter Reihe zu stehen, müsste er sein Kommen absagen, lehnte der Kommissär diese bedingungsweise Annahme einer Einladung ab und als ihm dann nochmals betont wurde, dass, wo vier verschiedene „Kulte" vertreten seien, unmöglich drei willkürlich