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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1906) · p. Seite 33

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1906)
Date
1906-06-01
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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33 Korrespondenzen. Wien (Reichskonferenz der Zionisten.) Am 20 , 21. und 22. Juli tagte in Wien die Reichskonferenz der zionistischen Partei in Oesterreich. Die Konferenz beschloss, die Agitation für das allgemeine, gleiche Wahlrecht mit allen gesetzlichen Mitteln in der energischesten Weise tortzuführen und für die kommenden Reichsratswahlen die notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Es wurde als unbedingte Notwendigkeit anerkannt, in allen Wahlbezirken, in denen die Juden die Majorität haben, besondere national-jüdische Kandidaturen aufzustellen. Ebenso gelangte die Frage der Aufstellung von Zählkandidaturen in anderen Wahlorten zur eingehendsten Diskussion. Die Konferenz beschloss ferner, in den Wahlkampf mit einem Programm zu treten, dessen Grundsätze festgesetzt wurden, und ein Zentralwahlkomitee aus den Vertrauensmännern aller Wahlkreise zu konstituieren. Im Sinne dieser Beschlüsse wurde die Gründung eines politischen Reichsvereines der österreichischen Juden und besonderer Vereine in den einzelnen Distrikten in Angriff genommen. Die Ratifizierung aller dieser Beschlüsse bleibt einem allgemeinen Parteitag vorbehalten, der demnächst einberufen werden wird. Am 1. Juli fand in Krakau der Reichsparteitag der österreichischen Zionisten statt. Der Obmann Dr. Schalit eröffnete die Tagung mit einer Rede, welche die Ma&sakres von Bialystok zum Gegenstand hatte. Diese Vorgänge hätten wieder einmal gezeigt, dass die Judenfrage eine Frage Europas sei und daher auch von Europa gelöst werden müsse, indem sie auf die Tagesordnung der nächsten Haager Konferenz gestellt werden soll. Die Verhandlungen gelten bloss dem einen Punkt: „Die Stellung der Zionisten zur innerpolitischen Betätigung". Zur Annahme gelangte nach eingehender Debatte folgender Beschluss: Die zionistische Landesorganisation Oesterreichs ist keine politische österreichische Partei. Sie begrüsst jedoch die Konstituierung einer neuen politischen Organisation der österreichischen Juden, da der politische Zusammenschluss der österreichischen Juden auf national-jüdischer Basis geeignet ist, das jüdische Volk in seinen wirtschaftlichen und moralischen Interessen zu stärken, seine Beziehungen zu den anderen Nationen zu klären und seine volle Gleichberechtigung mit den anderen Völkern durchzusetzen. Der Parteitag erwartet aber auch, dass das Programm der neuen politischen Partei nicht bloss nationale Forderungen enthülJ, sondern auch sozial-fortschrittlich und gut österreichisch sei. An die Verhandlung schloss sich die Konstituierung der neuen politischen Organisation. Wien. (Todesfälle.) Am 24. Mai ist der ehemalige Reichsratsabgeordnete und pensionierte Sektionschef im Unterrichtsministerium Eduard Ritter v. G n i e w o s z im hohen Alter von 84 Jahren gestorben. Gniewosz war in der Schule des freiheitlich gesinnten, im josefinischen Geiste wirkenden Beamtentums aufgewachsen, von streng rechtlicher Anschauung und ehrlichem Freimut, ein Feind der politischen Intrigue und ein offener Gegner jener rückschrittlichen Bewegung, die den Klassen- und Rassenhass auf ihre Fahne geschrieben hat. Trotz der strengen Klubdisziplin im Polenklub ging Gniewosz häufig seine eigenen Wege, weil sein strenger Rechtssinn vielfach mit den verschlungenen Wegen der Interessenpolitik des Klubs sich nicht im Einklang befand In der Zeit, wo der Antisemitismus im Abgeordnetenhause seine Orgien feierte, sprach Gniewosz, ohne sich vom Terrorismus der Christlich- Sozialen einschüchtern zu lassen, von der Tribüne ein vernichtendes Urteil über den unvernünftigen Rassenhass. Am 1*. Februar 1890, bei Beratung des Gesetzes über die Regelung der äusseren Rechtsverhältnisse der Judengemeinden, kam es zwischen ihm als Referenten über die Vorlage und den antisemitischen Abgeordneten im Abgeordnetenhause zu einer ernsten Auseinandersetzung und Gniewosz sprach das Wort, dass die Flagge, unter 3

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