Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 waren damals nicht so antisemitisch — in der hiesigen Turnhalle untergebracht, und ein Komitee, aus der Kultusgemeinde gewählt, sorgte für Speise und Trank, brachte Gaben und Spenden, Kleider und Wäsche von Christ und Jud. Damals wurde in unserer Gemeinde auch der Grundstock für einen Notstandsfond geschaffen, für einen Fond, der nur zurUnterstützung rumänischer und russischer Auswanderer benützt wurde. Im Jahre 1898 wandte sich unsere Gemeinde an 20 Grossgemeinden des In- und Auslandes in Gesuchen mit der Bitte um Unterstützung unseres so oft in Anspruch genommenen Notstandsfondes; unsere Gesuche wurden von den Kultusgemeinden Wien, Budapest, Brünn und dein Gemeindebund in Böhmen durch Unterstützungen im Gesamtbetrage von K 8' 0.— günstig, von allen anderen Korporationen abweislich erledigt. In den nun folgenden Jahren nahm die Auswanderung der rumänischen und russischen Juden stetig zu, allein mit dieser steigert sich auch die Zahl der wirtschaftlich schwachen Auswanderer, die dem Elend, der Not, der Bedrückung entgehen wollen. Es mehrten sich aber auch die Schwierigkeiten, die diesen Auswanderern in den Weg gelegt werden, die unbedingt oft eine Unterstützung an Rat oder Geld in unserer Gemeinde nach sich zogen. So wurde im Jahre 1903 die Verfügung seitens der österreichischen Regierung getroffen, dass allen den österreichischen Boden betretenden russischen Auswanderern die Pässe an der Eintrittsstation abgenommen und an der Ausgangsstation wieder zurückgestellt wurden. Die Bezirkshauptmannschaft Husiatyn zum Beispiel sandte die den Auswanderern abgenommenen Pässe mit einer Original-Konsignation an die Stadtgemeinde Bodenbach, und diese folgte unter Intervention unseres Rabbiners gegen Vorweisung der Konsignationsabschrift die Pässe aus. Die Folge war, dass viele, die über Tetschen fuhren, ohne Pässe reisten, dass die Pässe oft später als die Reisenden eintrafen oder dass einzelne Reisende, durch verschiedene Umstände verhindert, später oder gar nicht eintrafen. Später mussten die Auswanderer sogar Beträge an der Eintrittsstation erlegen, die ihnen an der Ausbruchstation rückerstattet wurden. Da kam es auch vor, dass, nachdem die Stadtgemeinde Bodenbach jeder Tätigkeit in Auswanderungsangelegenheiten sich entsch'ug, die Grenzpolizei einfach Pässe und Geld zurücksandte und die Auswanderer — hier anlangend — diese nicht ausgefolgt erhalten konnten und tagelang, unserer Gemeinde zur Last fallend, auf die wieder reklamierten Wertsachen warten mussten. Im Monat September 1903 erliess die sächsische Regierung den strengsten Befehl, dass russische Auswanderer, die nicht über eine gewisse Geldsumme verfügen oder mit einer Schiffskarte deutscher Provenienz ausgerüstet; sind, nicht durch Sachsen fahren dürfen. Tagtäglich kommen grosse Trupp«? Auswanderer,