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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1906) · p. Seite 26

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1906)
Date
1906-06-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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26 beherrscht und zum Schweigen bringt, minder vermischten Blutes, reinerer Abstammung sei, als sein zu hitziger Gegner. 10) Fromme Gelehrte haben zweckloses Gespräch zu vermeiden gesucht, manche sogar ihr Leben lang kein solches geführt. u) Das Masshalten im Reden muss sogar in talmudischer Zeit von manchen in einer unsinnigen Weise übertrieben worden sein, so dass die Wortkargheit die Natur einer Unart anzunehmen gedroht. Dem hat man mit folgender Beleuchtung der im zehnten Kapitel der Sprüche gegen das Zuvielreden gerichteten Worte Salomons zu begegnen gesucht: „Zwei Sophisten standen einst vor Kaiser Hadrian. Einer rühmte das Reden als das Beste in der Welt, während der andere die Schweigsamkeit hochgepriesen. Der Lobredner des Sprechens begründete seine Ansicht, indem er sagte : „Ohne die Sprache könnten die Könige nicht regieren und auch die Verstorbenen nicht würdig bestattet werden." Darauf begann der Anwalt des Schweigens; doch kaum hatte er ein Wort gesprochen, bekam er von seinem Gegner einen Schlag über den Mund. Da fragte der Herrscher: „Warum hast Du ihn geschlagen und am Reden verhindert?" Darauf erhielt er zur Antwort: „Ich habe meinen Gegenstand durch diesen selbst begründet, jener will aber seinen Gegenstand durch den meinigen, den Wert des Schweigens durch Reden beweisen." — Salomo hat das Reden nicht getadelt, damit Du dasitzest und den Mund zuhaltest, sondern nur gelehrt: Beherrsche Deine Lippen, auf dass Du Deinen Nächsten nicht übel beredest." 12) Ungleich mehr Stellen als die, durch welche das Vorhandensein eines allgemeinen Widerwillens gegen Seicht- und Zuvielreden dargelegt werden kann, legen, in der alten hebräischen Literatur, das Gefallen an einer knappen, geistreichen Sprechweise zutage. Sie bietet der Aussprüche und Redewendungen von lakonischer Form in grosser Menge. 13) So haben die Gesetzgebung des Lykurgus, welche einem Kriegerstaate gegolten, und die Lehre Moses, die einen Gottesstaat angestrebt, in einer Richtung Aehnliches bewirkt. Leider sind die Scheu vor einem Missbrauch und der wohlbedachte Gebrauch der Sprache schon lange nicht mehr so allgemein, als dass sie als jüdische Stammenstugend gelten könnten. 10) Talmud Kiduschiii Folio 71. ") Wird in Suka Folio 28 von Rabbi Elieser und von Eabbi JoschaDan ben Sakai gesagt. 12) Midrasch Jalkut zum 4. Buche Moses. ") Einer flotten überströmenden Gesprächigkeit des weiblichen Geschlechtes geschieht erst in Schriften späterer Zeit Erwähnung. Insolange die im 81. Kapitel der Sprüche geschilderte, biedere, umsichtige, fleissige und strebsame Hebräerin sehr vielen Töchtern das Ideal gewesen, dem sie nachgestrebt, haben sie sich zu nichtssagendem Gerede und Zwischentratsch keine Zeit genommen.

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