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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1906) · p. Seite 24

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1906)
Date
1906-06-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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24 Im Lande der Hebräer ist selbst auf Tiere nur notgedrungen Jagd gemacht worden; in Sparta waren Helotenjagden beliebter Jugendsport. In Sparta sind, einer staatliehen Anordnung gemäss, die neugebornen, schwächlichen Kinder den Müttern weggenommen und getötet worden, während man unter den Israeliten es schon als Sünde betrachtet hat, wenn jemand die Küchlein vor den Augen der Vogelmutter aus dem Neste gehoben. Die beliebteste Nationalspeise der Spartaner war die schwarze Blutsuppe; in Israel war der Blutgenuss verpönt. Nacktheit galt den Hebräern als entwürdigend, während in Lakedämonien selbst erwachsene Mädchen sich auch in Gegenwart von Jünglingen ihrer Blosse nicht geschämt haben. Die Keuschheitsbegriffe der Israeliten waren von denen der Spartaner überhaupt himmelweit verschieden und ebenso die Begriffe der Ehrlichkeit. In Israel hat Stehlen als verächtlich und entehrend gegolten: in Sparta sind die Knaben von ihren Erziehern zum Diebstahl angehalten worden und haben Peitschenhiebe bekommen, wenn sie sich dabei ungeschickt benommen. Die Arbeit war dort Sache der Heloten; auf dem Boden Palästinas ist das Lied erklungen, in dem es heisst: „Geniessest Du, was Deiner Hände Mühe geschaffen, heil und wohl Dir." (Psalm 128, 2.) Merkwürdigerweise hatten gerade diese in ihren Anschauungen und Lebensgewolmheiten so grundverschiedenen Menschenklassen eine Eigentümlichkeit gemein, die man anderwärts als Volksgewohnheit nicht vorfindet. Beide waren Freunde einer knappen, vielsagenden Sprechweise und Gegner seichter Geschwätzigkeit und des Zuvielredens überhaupt. In Lakedämon war das ein Ergebnis der im Sinne der Gesetzgebung des Lykurgus eingehaltenen Erziehungsweise.*) Man hat die Knaben an vieles Stillschweigen gewöhnt, um verschlossene Menschen heranzubilden, die ihre Gedanken zu konzentrieren und ihre Gemütsregungen und Absichten zu verbergen wissen, weil eben solche im Kriege am besten verwendbar sind. Die Lehre Moses, welche ganz anders geartete Tendenzen gehabt, hat gewissermassen ähnliches bewirkt. Da sie Lügen, Lästern, Verleumden und Zwischenträgerei strenge verboten, waren ihre Bekenner gehalten, beim Reden vorsichtig und massvoll zu sein; infolge dessen hat allmälig gegen das Zuvielreden, das so leicht zur Versündigung führt, ein Widerwille platzgegriffen. *) Darüber Plutarchs vergleichende Lebensbeschreibungen. Lykurgus.

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