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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1906) · p. Seite 19

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1906)
Date
1906-06-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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19 Institutionen sind es, die Nussbaum mit seinem J'accus trifft und die der Leser seines Buches richten muss, sondern die Menschen, das Volk, der Pöbel, der die Justiz beherrscht, weil ihre Organe ihm zugehören. Dagegen gibt es nur einen Schutz: dass die Kichter auf eine Höhe gestellt werden, in der das ewig gleiche Barrabasgeschrei verhallt. Um diese Höhe werden wir die englischen Richter noch lange beneiden müssen. * * % In der „Schweizerischen Zeitschrift für Straf recht", 19. Jahrgang, schreibt der Professor des Strafrechtes an der Wiener Universität Dr. Karl S t o o s s über das Buch Nussbaums: Der Fall Hilsner hat, wie v. Liszt in seinem Vorwort ausführt, als Ritualmordprozess kulturgeschichtliche Bedeutung; er liefert überdies einen überaus wichtigen Beitrag zur Psychologie der Aussage. Die Darstellung Nussbaums beruht im wesentlichen auf einer Uebersetzung der Akten, namentlich des amtlichen stenographischen Protokolls der Hauptverhandlung. Nussbaum verzichtet auf Sensation, er berichtet aktenmässig, er versteht es aber, den gewaltigen Stoff übersichtlich anzuordnen und unnötige Weitläufigkeit zu vermeiden. Sehr eingehend behandelt der Verfasser den Hintergrund des Prozesses, damit es möglich sei, den Fall kriminalpsychologisch zu würdigen. Eine Episode ist charakteristisch (S. 35). Am 19. Mai 1890 hat der antisemitische Abgeordnete Schneider den Statthalter von Niederösterreich wegen der Konfiskation des „Deutschen Volksblattes" interpelliert und dabei mitgeteilt: „Der Spezialberichterstatter des „Deutschen Volksblattes" hat durch volle drei Tage mit Unterstützung des Bürgermeisters, des Polizeikommissärs und anderer Gemeindefunktionäre in gewissenhafter und eingehendster Weise seine Erhebungen gepflogen, indem er sowohl eine Tatbestandsaufnahme auf Grund der vorliegenden Daten veranlasste, ferner aber auch die Aussagen der einzelnen Personen, die über die Personen der Täter und die Art und Weise, wie der Mord vollbracht wurde. Mitteilung zu machen in der Lage waren, protokollarisch festlegte." Der Spezialberichterstatter des „Deutschen Volksblattes", des Organs der Antisemiten, hat mit dem Bürgermeister von Polna und anderen Gemeindebeamten den Tatbestand aufgenommen und Zeugen zu Protokoll vernommen! — Hilsner ist unsympathisch. Der junge Mann, er ist am 10. Juli 1876 geboren, sollte Schuster werden, aber er war zu faul, um die Lehrzeit zu beendigen; er versteht sein Handwerk so schlecht, dass ihn kein Meister behalten wollte. Er lebte mit seiner Mutter in einer Art Höhle. Die Mutter verkaufte die alten Kleider, die sie erbettelt hatte; er trieb sich meist müssig herum, und wenn er auf die Wanderschaft ging, so verschaffte er sich den Unterhalt

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