Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 5 (5.1906)
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 45 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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45 Zustimmung oder gar Begeisterimg; kompromittiert. Es war seine Pflicht, das allgemeine Wahlrecht für eiue niederträchtige Erfiudung der jüdischen Agenten der Alliance lsraelite zu erklären! Ihm ist die historische Mission zugefallen, der Bevölkerung nachzuweisen, dass durch das allgemeine Wahlrecht weder eine deutsche noch eine sloveuische, sondern eine rein jüdische Majorität im Abgeordnetenhause geschaffen wird. Die Weltgeschichte hatte Ernst Sehneider zu der grossen Prophezeiung ausersehen, dass nach Einführung des allgemeinen Wahlrechtes wahrscheinlich Hülsner österreichischer Ministerpräsident werden wird! Und es ist kein Zufall, dass Herr Schneider gerade die Wochen vor Ostern dazu benutzte, um die Völker Oesterreichs vor der Wahlreform zu warnen. Dieser von jüdischer Hand längst vorbereitete Schachzug ist nämlich nichts anderes, als eine grossangelegte Blutabzapfung der christlichen Völker zur Lustbefriedigung der jüdischen Grosskapitalisten. Es soll, wie es heisst, der Grat Stürgkh abgezapft werden, weil anderes Kälberblut den kniekerischen Millionären schon zu hoch im Preise ist . . . Ernst Schneider ist aus der christlichsozialen Vereinigung im Abgeorduetenhause ausgetreten. Aber er dürfte die Führung der Koalition wider die Wahlreform an sich reissen. Es hat den Herren längst ein geistiger Führer gefehlt. Grabmayr, der wahre Freisinnige, Kolischer, der arische Idealist, Sternberg-, Stürgkh und Stein waren schwer unter einen Hut zu bringen. Nun ist den edlen Herren der passendste Führer erstanden. Ernst Schneider übernimmt das Feldherrnamt! Heil!! Prag. (Das Wesen der Toleranz.) Dem „Zentralverein für jüdische Angelegenheiten" gebührt Dank und vollste Anerkennung, dass er uns kürzlich die Bekanntschaft eines Gelehrten von umfassendem Wissen, formvollendeter Suada und hinreissendem Temperament vermittelte. Als Gast des genannten Vereines hielt gestern nachmittags im Festsaale des fürstlich Colleredo-Mansfeldscheu Palais der derzeitige Dekan der philosophischen Fakultät der Universität in Bern, Heir Prof. Dr. Ludwig Stein, mit souveräner Beherrschung der Sprache und unterstützt von einem ungewöhnlich modulationsfähigen Organ einen ungemein fesselnden Vortrag über „Das Wesen der Toleranz". Der Vortragende ging von dem Satze aus : „Alles verstehen heisst alles verzeihen". Ob sich dieser Gedanke überhaupt realisieien lässt? Nur ein alles umfassender Göttergeist wäre dies im Stande, denn, um alles zu begreifen, dazu ist der menschliche Geist zu beschränkt. Das menschliche Denken ist ja nicht intuitiv, nicht simultan, sondern sukzessiv. Es gibt infolgedessen keine absolute Toleranz. Wie alle irdischen ' Begriffe unvollkommen sind, so ist auch die Toleranz nur eiue relative. Der Redner kommt dann auf die einzelnen Formen der Toleranz zu sprechen und wählt zu seinem eigentlichen Thema nicht diejenige des 18. Jahrhundert, etwa im Sinne Josef II. oder Friedrich IL, die er als historisches Phänomen bezeichnet, sondern das Toleranzverhältnis zwischen Wissenschaft wind Religion. Ihm seheint der perennierende Kampf zwischen diesen beiden ein Wortstreit, ein Definitionsfehler zu sein. Beide haben Recht und Unrecht. Die Religion hat Unrecht dort, wo sie der Wissenschaft in den Weg treten, die AVissenschaft dort, wo sie der Religion das Lebenslicht ausblasen möchte. Diese beiden Todfeinde bekämpfen sich jedoch nur dort, wo sie zur Karikatur werden, in ihren äussersten Konsequenzen. Die alles beherrschende Wissenschaft sollte nicht absolutistisch regieren, sondern konstitutionell monarchisch. Denn sie ist nicht in der Lage, den absoluten Befehl sie volo, sie jubeo zu diktieren, sie soll vielmehr aus den Fehlern ihrer Rivalin, die verschiedene Dogmen aufstellt, lernen. In der Wissenschaft hat der Ausspruch Bacon von Verulams noch heute Geltung: Jede Wahrheit ist die Tochter ihrer Zeit, jede Zeit ihre Wahrheit. Aber auch die religiösen Wahrh iten gelten nur für Zeit und Ort. Die religiösen und wissenschaftlichen Wahrheiten müssen einander geprobt und angemessen werden. Je mehr Rätsel wir lösen, desto mehr werden uns aufgegeben. Die Wissenschaft kann nicht definitive Wahrheiten aufstellen. Neben der seienden Welt existiert für uns eine andere, wichtigere-