Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 5 (5.1906)
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 41 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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41 dass z. B. der berüchtigte Eitualmord-Mechaniker Schneider, der von den vereinigten Bezirken Meidling-Eudolfsheim ins Parlament entsendet wurde, seine Eolle als Volksvertreter ausgespielt hat, und selbst der grosse Lueger ist in seinem angestammten Wahlbezirke Margarethen bedroht. Die „Oesterreichisch-Israelitische Union" hat in die Wahlbewegung für den IL Wahlkörper durch Veranstaltung einer am 14. d. M. im Festsaale des „Hotel Continental" stattgefundenen Wählerversammlung eingegriffen, welche nach einem trefflichen Referate des Herrn Dr. Alexander M i n t z und einer längeren Diskussion, an der u. A. die Herren Sekretär Fleischer, Dr. Sch a Ii t, Dr. Weisen grün, Bezirksrat Brill und Gemeinderat Dr. Hein sich beteiligten, folgende Resolution angenommen hat : „Die im „Hotel Continental" am 14. Mai tagende jüdische Versammlung verurteilt jeden Versuch, die jüdischen Wählermassen direkt oder indirekt zur altliberalen Politik zurückzuführen und verlangt, getreu dem modernen Postulate nach Vertretung aller Wählerschichten in den Vertretungskörpern, dass auch in den Wiener Gemeinderat Vertreter jüdischer Interessen entsendet werden. Sie fordert, dass die neugewählten jüdischen Gemeinderäte auf der Basis volkstümlicher Politik jüdische Interessen zu berücksichtigen verpflichtet werden. Zugleich erklärt die Versammlung, bei der Wahl im 2. Wahlkörper der antiklerikalen Liste ihre Stimmen zuzuwenden." Ferner hat der Vorstand der „Union" über Ersuchen des Wahlkomitees im IX. Bezirke eine dringende Aufforderung an alle jüdischen Wähler gerichtet, ihre Wahlpflicht zu erfüllen. Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehr-Bureau. Antisemitische Exzesse. Aus dem Städtchen B i e c z wird gemeldet, dass dort am zweiten Osterfeiertage Judenexzesse ausbrachen, deren Epilog sich am 6. Mai vor dem Strafgerichte abspielen wird. Die dortige Feuerwehr erhielt von dem Abgeordneten P. Pastor als Geschenk ein Fass Bier. In betrunkenem Zustande wurde disputiert, dass wahrscheinlich die dortigen Juden die vor einigen Jahren die in Biecz ausgebrochene Feuersbrunst verursacht hatten. Während des Gelages schien es einem Feuerwehrmann, dass in einem jüdischen Geschäfte Feuer ausgebrochen sei. Dies erwies sich jedoch als Einbildung, worauf die ganze Gruppe der jüdischen Häuser durchsucht wurde, ob nirgends Feuer ausgebrochen sei. Als die Durchsuchung sich als erfolglos erwies,