Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-05-01 · 5 (5.1906) · p. Seite 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
5 (5.1906)
Date
1906-05-01
Page
Seite 42 (sequence 42)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9756662-9603423-9603544--1429-9603586
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

42 wollten die Feuerwehrleute nochmals die Wohnungen durchsuchen; die Juden Hessen sich jedoch diese Schikanen nicht gefallen, worauf die betrunkenen Feuerwehrleute mit den Eufen: , Schlaget die Juden, sie wollen uns Feuer legen!" mit Aexten die Judenhäuser attackierten und grossen Schaden anrichteten. Die erschrockenen Juden telegraphierten um militärische Assistenz. Einige Feuerwehrleute wurden wegen öffentlicher Gewalttätigkeit angeklagt. Das Blutmärchen. Am 4. April verschwand das Dienstmädchen Rosa Novy, bei dem Grandbesitzer Zikes in Liblin (Böhmen), spurlos vom Felde, auf welchem sie gearbeitet hatte. Nach langem Suchen fand man am 18. April den Leichnam des Mädchen in der Beraun,, eine Strecke oberhalb Libün, an einer Stelle, die während dieser Zeit schon oftmals durchsucht wurde. Allem Anscheine nach liegt ein Selbstmord vor. Die Leiche wies keinerlei Verletzung auf. Der Vater des Mädchens äusserte jedoch die Meinung, seine Tochter sei das Opfer eines Verbrechens geworden und hat bei der Staatsanwaltschaft um Vornahme der Obduktion nachgesucht. Die Untersuchung dürfte zweifellos Klarheit in die Sache bringen. Nicht unerwähnt mag bleiben, dass sich vor einiger Zeit einige Individuen in der Gegend herumtrieben, die mit aller Gewalt den Fall zu einem „Ritualmord" ausschroten wollten. Eine Version bringt den Tod des Mädchens auch mit einem unglücklichen Liebesveihältniss in Zusammenhang. Ins Kloster entführt. Der Oberste Gerichtshof hatte kürzlich ein Urteil des Landesgerichtes Lemberg zu überprüfen, das den Postbeamten Kasimir Jablonski wegen Entführung eines 16jährigen Judenmädchens zu einem Monat Kerker verurteilt hat. Jablonski hatte bei einer befreundeten christlichen Familie die 16jährige Recha Olmütz, die Tochter eines jüdischen Geschäftsmannes, kennen gelernt, die nach seiner Angabe schon früher die Absicht hatte, zum christlichen Glauben überzutreten. Eines Tages traf das Mädchen mit Jablonski auf der Strasse zusammen. Jablonski setzte sie in einen Wagen und führte sie zu einer befreundeten Frau, wo er sie mehrere Tage verborgen hielt. Nach seinem Diktat schrieb die Olmütz an ihren Vater einen Brief des Inhalts, sie sei, um ihr Seelenheil zu retten, zum Christentum übergetreten und nach Russland abgereist. Jablonski bemühte sich inzwischen, sie in einem Lemberger Kloster unterzubringen; da ihm das aber nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.